Ich kam, um Tamales zu machen. Was ich an diesem Mittwoch im Hause Naranjo in Ohkay Owingeh mitgenommen habe, war so viel mehr: Geschichten aus Jahrhunderten, erzählt beim Kneten von Teig. Eine romantische Liebesgeschichte und eine, die wehtut. Eine Frau, die unsichtbar Geschirr abwäscht und ein ganzes Dorf gerettet hat. Und die Antwort auf eine Frage, die ich mir nie gestellt hatte: Woher kommen eigentlich die Öfen, ohne die die Küche von Santa Fé undenkbar wäre?
Mein lieber verstorbener Freund Freddie Kaydahzinne, Chiricahua-Apache und Künstler aus Santa Fé, hatte mir einmal gesagt: „Du musst nach Santa Fé, du wirst es lieben — die Architektur, die Kunst, das Klima und das Essen.” Er behielt in allem recht.
Zum ersten Mal war ich 2024 dort und war überrascht: Die Küche in der Region um Santa Fé ist keine amerikanische Küche, wie man sie kennt. Vergiss Burger und Pizza. Hier findest du frisch zubereitete Spezialitäten mit viel Gemüse, raffinierten Salaten und Aromen, die man so anderswo nicht findet.
Und dann wurde mir von Norma Naranjos „The Feasting House“ in der Reservation Ohkay Owingeh erzählt, wo man in die Geheimnisse der guten Küche der Region eintauchen kann.
An einem Mittwoch im November 2025 war es dann soweit: Zusammen mit zwanzig anderen Besuchern war ich Gast im Hause Naranjo und Teilnehmerin bei einem Koch-Workshop.
Wir kamen, um ein wenig kochen nach Pueblo-Art zu erlernen. Was wir mit nahmen, war so viel mehr als das Wissen um die Zubereitung von Tamales oder Empanadas. Wir wurden Zeugen der Geschichte und der Gegenwart der lebendigen Pueblo-Kultur — und wird hatten köstlich gespeist.
Die Geschichte des alten Herrn: Vom Internat zur Liebe seines Lebens
Als ich am Vormittag vor den anderen Gästen da war und die Damen in der Küche bei den Vorbereitungen nicht stören wollte, hatte ich mich mit einer Tasse Kaffee hinaus in den Garten begeben. Dort setze ich mich an einen der Gartentische, in der Nähe der beiden gemauerten Öfen. Kinder liefen spielend und lachend umher und ein älterer Herr mit Baseballkappe und kariertem Hemd trug Holz zusammen und schlichtete es neben die beiden Öfen.
Er blieb stehen, lächelte mich freundlich an und fragte, woher ich käme, ob ich zum ersten Mal hier sei und wie es mir hier gefalle. Er verriet mir, dass er der Schwager von Norma und Hutch sei. Er hatte eine von Normas Schwestern geheiratet und sie seien immer wieder gerne hier, um bei großen Festen und Veranstaltungen auszuhelfen.
Er habe die meiste Zeit in Kaliformien gelebt, nachdem sie von hier weg gebracht wurden und sei ein echter Stadtmensch geworden. Er habe dort einen guten Job gehabt und sich wohl gefülhlt. Dann sei er auf einen Besuch zurück in das Dorf gekommen und habe diese hübsche Einheimische gesehen und sich sofort Hals über Kopf unsterblich verliebt.
Seine Braut wollte nicht nach Kalifornien, also zog er zurück nach Ohkay Owingeh. Das sei vor über 30 Jahren gewesen und er sei noch immer verliebt in dieses hüsche Mädchen, der Schwester von Norma. Seine strahlenden Augen und sein Zwinkern verrieten: Er meinte, was er sagte. Was für eine wunderschöne romantische Geschichte!
Aber bei mir blieb aus seiner Erzählung hängen: „… als sie uns von hier weg gebracht hatten.“
Ich fragte höflich, ob ich eine Frage zu seiner Geschichte stellen darf. Er meinte, klar, ich könne ihn alles fragen. Und dann frage ich, was genau er damit meinte, wer hat ihn weg gebracht.
Er wird ernst und seine Stimme leise: „Weißt du, damals haben sie die Kinder mit Lastwägen abgeholt und weit weg in Internate gebracht. Ich bin im Internat aufgewachsen und ich konnte auch unserer Sprache nicht mehr sprechen. Familie ist für uns sehr wichtig, ich bin ohne Eltern und ohne Familie in der Fremde aufgewachsen.“
Dann macht er eine energische Handbewegung, so als würde er die Erinnerung weg wischen wollen. Und schon ist da wieder sein freundliches Lächeln und sein Zwinkern in den strahlenden Augen und seine Stimme fest und fröhlich. „Aber das ist schon sehr lange vorbei, es geht uns jetzt gut und ich bin glücklich hier mit meiner wunderschönen Frau.“
Norma, Tamales und das Geheimnis der Küche um Santa Fé
„Bei großen Festen sitzen wir alle zusammen und wickeln die Tamales, das ist bei uns so Tradition.“ Norma knetet Teig aus Maismehl und Wasser in einer großen Schüssel.
Wir Besucher sitzen an zwei großen Esstischen im Speisezimmer und bilden zwei Kochgruppen: Die einen werden Tamales machen, die andere Espanadas. Ich bin bei der Tamales-Gruppe.

Wohnzimmer im The Feasting Place
Das Haus ist eines der typischen Häuser im Pueblo-Stil dieser Region: eingeschossig, mit rotem Lehm verputzt und flachem Satteldach. Im Haus dominieren warme Erdtöne und Holzmöbel, Sofas mit bestickten Kissen auf Holzböden mit gewebten Teppichen und darüber schwebt schützend die schwere Holzbohlendecke. Alles ist darauf ausgelegt, viele Gäste willkommen zu heißen. mit ihnen zu kochen, zu speisen und zu feiern.
Norma ist die warmherzige Gastgeberin und die Leiterin der Koch-Workshops, ihr Ehemann Hutch ist für die Landwirtschaft zuständig.
Fast alles, was hier verkocht wird, kommt aus der eigenen Landwirtschaft, hatte Norma zurecht stolz zu Beginn erwähnt.
Während der Teig unter den Normas knetenden Händen langsam die richtige Konsistenz annimmt, erzählt sie aus der Geschichte ihres Volkes.

Norma Naranjo — The Feasting Place
Die einzigartige Küche in der Region um Santa Fé ist der Vereinigung der einheimischen Küche und der spanischen Küche zu verdanken. Zwei Welten haben sich hier friedlich arrangiert und das beste in beiden Welten erhalten — ganz praktisch und auch kulinarisch.
Die eine Welt war jene der Pueblo-Bewohner, die in dieser Region lebten. Die andere Welt kam von weit her — vom über den Ozean aus Spanien.
Ich kannte zuvor nur die Geschichte der brutalen spanischen Conquistadores, welche die Pueblo-Bewohner im Aufstand von 1680 vertrieben haben.
Dieser Teil der Geschichte war jedoch mir und anderen Gästen neu und überraschend: Beim Aufstand wurden nicht alle vertrieben. Jene friedlichen spanischen Siedler, die damals bereits in ihren Dörfern zwischen den Pueblo-Gemeinschaften lebten, blieben von der Vertreibung verschont.
Ihre Dörfer findet man heute noch zwischen den Pueblo-Reservaten. Namen wie jener der Nachbarortschaft Espaniola (kleines Spanien) weisen darauf hin. Die Nachfahren der damaligen Siedler nennen sich „Spaniards“ und sprechen neben Englisch noch immer ihre ursprüngliche Muttersprache: ein altertümliches Spanisch — es ist das Spanisch des 16. Jahrhunderts.
Es geht also doch: In ein fremdes Land ziehen und sich mit den Einheimischen friedlich und respektvoll einigen. Und dieses friedliche Nebeneinanderleben hat über die Jahrhunderte funktioniert.
Norma erzählt, dass manche der spanischen Siedlern Pueblo-Mädchen und manche Pueblo-Männer spanische Mädchen geheiratet haben. Einer ihrer Vorfahren war ein Spaniard. Die Völker von diesseits und jenseits des großen Ozeanshaben sich dennoch nie vermischt, die eigenen Kulturen blieben erhalten.
Der Tamales-Teig ist nun fertig und sie zeigt uns, wie man Tamales macht:
Man nimmt mit einem Löffel ein Teigstück aus der ersten, ein in warmes Wasser eingeweichtes Maisblatt aus der zweiten Schüssel.
Das Teigstück kommt auf das ausgebreitete Maisblatt und wird dünn augestrichen.
Dabei wird das untere Drittel des Maisblattes ausgespart. Nun kommt etwas Fülle aus der dritten Schüssel auf die Teigflade. Zur Fülle kann man Fleisch oder Gemüse oder beides gemischt nehmen, wir hatten kleingewürfeltes Gemüse.
Dann wird das Maisblatt mit der gefüllten Flade der Breite nach eingerollt, sodass man eine längliche Rolle hat.
Oben quetscht man das Maisblatt und den Teig zusammen und das untere, nicht gefüllte, Drittel des Maisblattes klappt man nach oben.
Aus dem Maisblatt schnippt man sich der Länge nach einen dünnen Streifen. Diesen wickelt man als Bindfaden in der Breite um das Maipaket herum und verknotet ihn.

Tamales: fertig gedünstet, noch eingewickelt in Maisblätter
Anschließend wechselt Norma zum anderen Tisch, zur anderen Gruppe. Jetzt wird die Nachspeise gemacht.
Norma, Empanadas und der Pueblo-Aufstand von 1680
Norma zeigt, wie man aus Weizenmehl, Wasser und Butter den mürben Teig für die Empanadas herstellt. Und während sie knetet, erzählt sie weiter.
Jetzt gibt es noch etwas über 20 anerkannte Pueblo-Völker, früher waren es mehr. Durch brutale Ermordung ganzer Dörfer und durch Seuchen würden viele Dörfer entvölkert. Manche haben sich anderen Pueblos angeschlossen, manche sind verschwunden.
Als die Spanier unter Juan de Oñate Ende des 16. Jahrhunderst in die Region kamen, wurden sie von den Einheimischen freundlich begrüßt. Sie siedelten wesltlich des Pueblo-Dorfes Ohkay Owingeh am Rio Grande.
Oñate nannte den Ort San Juan de los Caballeros — zu Ehren seines Schutzheiligen Johannes des Täufers. Später hieß das Dorf einfach San Juan Pueblo, seit 2005 führt es wieder seine eigentliche Bezeichnung: Ohkay Owingeh — es bedeutet „Ort der starken Menschen“ (Place of the Strong People).

Pueblo Ohkay Owingeh, New Mexico, 1896
Nach Jahrzehnten brutaler Herrschaft der Conquistadores und der Franziskanerpriester, gelang es einem Mann, die verschiedenen Pueblo-Völker zu vereinen. Die Dörfer lagen bis zu 600 Kilometer voneinander und er wurden teilweise ganz unterschiedliche Sprachen gesprochen. Dieser Mann war Popé, ein Schamane aus dem Dorf Ohkay Owingeh — und ein Vorfahre von Norma. Popé schickte Läufer in alle Dörfer, die Schnüre mit Knoten mit sich trugen. Die Anzahl der Knoten entsprach der Anzahl der Tage bis zum vereinten Angriff. Die Läufer überbrachten den Dorf-Vorstehern die Schnüre und sagten ihnen: „Löst jeden Tag einen Knoten. Der Tag, an dem alle Knoten gelöst sind, ist der Tag, an dem ihr angreift.“
Im August 1680 war es dann soweit: Die Völker der verschiedenen Pueblos standen auf und vertrieben die Eroberer.
Die Unabhängigkeit von den Spaniern hielten nicht lange an. Bereits 12 Jahre kamen sie zurück, diesmal jedoch mit friedlicheren Absichten. Zwangsarbeit war nun verboten und die Franziskaner mischten sich nicht mehr in die Bräuche und Zeremonien der Pueblo-Bewohner ein.
Der Teig für die Tamales ist nun fertig. Er wird dünn ausgerollt und rund ausgestochen. Darauf kommet eine süße Fülle. Dann werden die Kreise einmal in der Mitte zusammengefaltet und die Halbkreise an den offenen Enden mit Gabelzinken zusammengepresst, sodass ein gewelltes Randmuster entseht.
Und jetzt geht’s ans Werk: Ich wickle mit den Kolleginnen an meinem Tisch Tamales, jene am anderen Tisch falten die Empanadas.
Wir legen unsere fertigen Stücke auf große Bleche in der Mitte der Tische, die von Norma und ihre zwei Schwestern geholt werden.
Die Tamales werden aufrecht in einen Gartopf gestellt, wo sie unter Dampf ungefähr eine Stunde gedünstet werden.
Und dann bittet uns Norma, die Bleche mit den Empanadas zu nehmen und ihr hinaus in den Garten zu den beiden Backöfen zu folgen.

Empanadas: fertig gebraten, mit Zimt und Zucker bestreut
Von Nordafrika nach New Mexico: die Mohren und die Hornos
Draußen ist Hutch und sein Schwager beshäftigt, die heißen verkohlten Hozstücke aus den Öfen zu holen. Jetzt werden sie mit Empanadas, Broten und Muffins gefüllt. Die gemauerten, mit Lehm verputzen Öfen haben die Form von großen Bienenkörben. Norma schiebt ein belegtes Blech nach dem anderen in die Öfen, Hutch schiebt sie mit einer Stange noch weiter hinein.

Hutch befeuert den Horno
Dann wird die halbrunde Öffnung der Öfen mit einem Brett verschlossen.
Die Öfen werden Hornos genannt (das „H“ wird nicht ausgesprochen). Norma erzählt, dass die Mohren (sie sagt wortwörtlich „moors“) ihren Vorfahren gezeigt hätten, wie man diese Öfen baut. Vorher hätten sie über dem offenen Feuer gekocht, aber die Hornos brachten ein Mehr an Möglichkeiten, Speisen zuzubereiten.
Ich denke, ich habe mich verhört und frage nach: „Es waren die Mohren, habe ich das richtig verstanden?“ Norma bejaht und ergänzt, dass diese aus Nordafrike waren und schon bei den ersten ankommenden Spaniern dabei waren.
Später recherchiere ich nach und entdecke die Geschichte dieser Nordafrikaner, dei meist als Sklaven nach Spanien kamen und das Wissen um die Hornos mit nach New Mexico brachten. Die Küche der Gegend ist heute ohne Hornos undenkbar, auch wenn in der modernen Küche diese durch Backöfen ersetzt werden.
Dennoch: eine Pizza schmeckt auch erst dann so richtig gut, wenn sie aus einem Pizzaofen kommt. Norma scheint meinen Gedanken erraten zu haben, sie meint, dass bei Kindergeburtstagen der Horno mit den Pizzen der Renner sei.
Tomasita hat einen Traum: Das alte Pueblo-Dorf in die neue Zeit zu retten
Während die Tamales auf dem Herd dünsten und die Empanadas im Horno braten, bittet uns Norma zurück in das Esszimmer. Der große Fernseher wird eingeschaltet. Eine der beiden Schwestern von Norma, die bei den Vorbereitungen im Hintergrund geholfen hatte, zieht die Kochschürze aus. Norma stellt sie uns vor: Tomasita Duran.
Wir sehen die Dokumentation „Owe’neh Bupingeh Preservation Project“. Der Film entführt uns in die aktuelle Geschichte von Ohkay Owingeh. Tomasita war jahrelang zuständig für das Wohnungsprogramm der Pueblo-Gemeinschaft.
Sie hatte einen Traum: Sie wollte das ursprüngliche historische Pueblo-Dorf wieder beleben. Die Häuser standen noch, manche waren mehr Ruinen, als wohnliche zeitgemäße Unterkünfte. Nicht alle hatten Elekrizität oder fließendes Wasser. Die meisten Bewohner waren weggezogen und hatten sich Häuser in der Umgebung gebaut.
Die alten Pueblo-Häuser sind aus Adobe-Ziegeln gebaut, das sind luftgetrocknete Lehmziegel. Das Material ist ideal für diese Gegend. Zum einen ist Lehm genügend in der Umgebung vorhanden. Zum anderen halten die Adobe-Wände In den bitterkalten Wintermonaten die Wärme in den Räumen, in den heißen Sommermonaten halten sie die Hitze draußen.
Adobe kann Jahrhunderte überdauern, vorausgesetzt, es wird jedes Jahr verputzt — nach der alten Methode, nur mit naturbelassenem Lehm. Der moderne Verputz hatte zusätzlich große Schäden an den Häusern verursacht. Wenn der Lehm luftdicht versiegelt wird, verrottet er. Adobe-Häuser müssen atmen können, wie die Menschen, die darin leben.
Was Tomasita schaffte, ist schier unglaublich: Kaum jemand aus der Gemeinschaft glaubte, dass dieses Projekt verwirklicht werden könne. Sie ließ nicht locker und es gelang ihr, von den Vereinigten Staaten die Geldmittel zu bekommen, um das Projekt zu starten und umzusetzen. Die alten Baumethoden wurden wiederbelebt, es gab noch ältere Bewohner, die sich erinnern konnten, wie in alter Zeit gebaut und verputzt wurde. Über 30 Pueblo-Häuser wurden revitalisiert und modernisiert.

Ohkay Owingeh Pueblo: Kirche und Pueblo; hier startete der Pueblo-Aufstand; im Hintergrund Häuser des revitalisierten Pueblos
Heute ist das alte Pueblo-Dorf wieder bewohnt, viele Familien sind eingezogen, Kinder lachen und spielen in den großen Höfen, die das Zentrum der Feste und Zeremonien der Pueblo-Gemeinschaft sind.
Moderner Komfort und alte Bautechnik sind also kein Widerspruch. Tomasita hat bewiesen, was einem einzigen Menschen möglich ist. Sie hatte einen Traum an den Sie unbeirrbar glaubte und war hartnäckig genug, diesen Traum zu verwirklichen. Und hat dabei ein ganzes Dorf gerettet.
Ein Festmahl und Abschied
Und endlich ist es soweit. Das ganze Haus ist vom Duft der dampfenden Tamales gefüllt, von den Kräutern der vielfältigen Salate, vom gedünsteten Kürbisgemüse, den frischen Tomaten, Frühlingszwieblen und anderem Gemüse und Beeren, deren Namen ich nicht kenne. Von draußen her weht der Geruch von bratenden Broten und Empanadas jedesmal beim Öffnen der Türe herein.

Küche im The Feasting Place: Normas helfende Schwestern im Hintergrund, im Vordergrund werden die fertigen Speisen am Buffet gesammelt
Der schwere lange Holztisch in der Küche füllt sich mit kalten und warmen Speisen in irdenen Schüsseln, großenTellern und geflochtenen Körben. Normas Schwestern holen die Tamales aus den großen Töpfen und legen sie auf ein großes Tablett in der Mitte des Tisches. Jeder holt sich einen Teller und Besteck und bedient sich.
Ich habe nicht nur gelernt, wie man Tamales macht, sondern auch, wie man sie dann isst: Einfach aus dem Maisblatt auswickeln, möglichst ohne sich die Finger zu verbrennen.
Wer denkt, Salat sei eine fade Beilage für Hasen — ich dachte das auch —, hat noch keinen Salat in der Region um Santa Fé gegessen. Hier findest du kaum unsere großen blassen geschmacklosen Salatblätter, sondern vor allem Kräuter und kleine würzige Blätter, die an Vogerlsalat oder Rucola erinnern. Dazu gebratene Kürbisse, Beeren oder Zitrusfrüchte. Mal schmeckst du süß-sauer, mal fruchtig-herb, immer überraschend. Das sind Geschmackskompositionen, die man nicht vergisst.
Ich frage Norma, wie und wo sie gelernt hat, so gut zu kochen. Sie zuckt mit den Schultern. „Für uns ist das nichts besonderes, jeder von uns kann das. Wir haben immer schon für große Familienfeste gekocht. Irgendwann hatte ich die Idee, Catering anzubieten und dann kam mir die Idee, Gäste einzuladen und mit denen zusammen zu kochen. So ist das entstanden.“
Es ist schon spät geworden und die Sonne von New Mexico hat die Hochebene in ein orangenes Licht getaucht, als wir uns verabschieden.
Ich kam zu einem Koch-Workshop und ging mit Geschichten, Eindrücken und Gerüchen im Herzen, die nie verblassen werden. Und mit der Gewissheit: die Kultur der Pueblo-Völker hat überlebt, ist lebendig und gut gerüstet für die Zukunft.
Bei uns gibt es den Spruch: „Durch’s Essen kommen die Leut’ zsamm.“ Selten habe ich den Kern dieses Spruches so wahr erlebt wie damals an einem Mittwoch bei Norma und Hutch im Pueblo Ohkay Owingeh.
Angelika Froech

Kochbuch von Norma Naranjo:
The Four Sisters: Keeping Family Traditions Alive — Recipes from The Pueblo
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Weiterführende Links:
- The Feasting Place in Ohkay Owingeh, New Mexico:
➪ https://thefeastingplace.com - Owe’neh Bupingeh Preservation Project (Film auf YouTube):
➪ https://www.youtube.com/watch?v=q_pE0mce8zQ
Bildquellen
- Foto Pueblo Ohkay Owingeh, 1896: gemeinfrei
- alle anderen Bilder: Angelika Froech