Wer sind die Apachen heute? Wie leben sie, welche Orte nennen sie ihr Zuhause, welchen Herausforderungen stellen sie sich – und welche kulturellen Schätze bewahren sie bis in unsere Zeit?
In diesem Artikel reise ich mit dir durch sieben heutige Apache-Reservationen in den USA. Ich teile Fakten, Geschichte, spezielle Herausforderungen und Eindrücke – ergänzt durch Fotos, Karten und persönliche Empfehlungen.
Wenn du dich jenseits von Klischees für das Volk der Apachen interessierst – für die Menschen, die Landschaften und Lebensrealitäten, wie sie wirklich sind – dann lies weiter.
Apachen heute — die Apachen-Reservationen
Inhaltsverzeichnis
1. Die Apachen heute
Wenn wir heute von den Apachen sprechen, ist das ein Sammelbegriff für eine Vielzahl eigenständiger Gruppen. Es gibt nicht die Apachen, sondern viele unterschiedliche Apache-Völker – jedes mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Herausforderungen, seinem eigenen Weg. Viele von ihnen sprechen verwandte Dialekte des sogenannten „Western Apache“, das zur athabaskischen Sprachfamilie gehört, und teilen ähnliche kulturelle Traditionen.
Wieviele Apachen gibt es heute?
Laut dem US-Zensus von 2022 identifizieren sich rund 73.000 Menschen ausschließlich als Apache. Weitere etwa 119.000 geben an, sowohl Apache als auch einer oder mehreren anderen indigenen Nationen anzugehören. Doch nur etwa 35.000 von ihnen sind heute offiziell in einer Reservation eingeschrieben. Mehr als doppelt so viele leben außerhalb – oft ohne formellen Bezug zu einer Reservation. Diese Zahlen geben jedoch nur einen sehr groben Überblick – sie sagen wenig über das Leben der Menschen aus, und noch weniger darüber, was es bedeutet, heute als Apache zu leben.
Worum geht es in diesem Artikel?
In diesem Artikel stelle ich all jene Apache-Gemeinschaften vor, die heute in einer von der US- Regierung anerkannten Reservation leben – oder, wie im Fall der Fort Sill Apache, in einem rechtlich anders geregelten Gebiet.

Karte der heutigen Apachen-Reservationen (copyright The Wisdom Trail)
Diese Reservationen habe ich – mit einer Ausnahme – persönlich besucht. Neben Fakten und Hintergründen teile ich auch persönliche Eindrücke. Denn indigene Gemeinschaften werden in der öffentlichen Wahrnehmung häufig auf Armut, Abhängigkeit oder Folklore reduziert. Mein Anliegen ist es, ein anderes Bild zu zeigen: differenziert, respektvoll – und manchmal auch berührend persönlich.
Wer kann in einer Reservation eingeschrieben sein?
Wer in einer Reservation eingeschrieben ist – also „enrolled“ – erfüllt bestimmte Voraussetzungen. Dazu gehört meist ein sogenanntes Blutquantum, also ein nachweislicher Anteil an indigener Herkunft der jeweiligen Nation.
In der San Carlos Apache Reservation zum Beispiel muss mindestens ein Großelternteil San Carlos Apache gewesen sein, um offiziell anerkannt zu werden.
Doch es gibt viele Menschen mit Apache-Herkunft, die in keiner Reservation eingeschrieben sind – auch sie gehören zu diesem Volk, selbst wenn sie in diesem Artikel nicht im Fokus stehen.
Dieser Text ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Er ist eine Einladung – sich mit offenen Augen und offenem Herzen auf eine Reise zu begeben. Zu jenen, die heute als Apache bezeichnet werden.
2. Die Apachen-Reservationen

Fort Apache / White Mountain Apache Reservation
Die White Mountain Apache leben auf einem Gebiet in Ost-Zentral-Arizona, das 1891 als Fort Apache Indian Reservation gegründet wurde. Ursprünglich umfasste es auch die San Carlos Reservation, 1897 wurden beide durch einen Beschluss des US-Kongresses getrennt. Die White Mountain Apache hatten das Glück, eine Reservation in ihrem angestammten Heimatland zu erhalten.
Fort Apache spielte eine zentrale Rolle während der sogenannten „Apache Wars“ und war über Jahrzehnte hinweg ein Stützpunkt der US-Armee – unter anderem mit den legendären Apache Scouts. Noch heute erinnert der historische Komplex des Fort Apache Historic Park mit 27 restaurierten Gebäuden an diese bewegte Geschichte.
Die Reservation erstreckt sich über rund 1,67 Millionen Acres (ca. 6.760 km²) und reicht vom tief eingeschnittenen Salt River Canyon auf etwa 800 Metern Höhe bis hinauf auf über 3.400 Meter am heiligen Mount Baldy – dem „White Mountain“, nach dem die White Mountain Apache benannt sind. Diese Vielfalt an Höhenlagen macht die Region einzigartig – nicht nur landschaftlich, sondern auch klimatisch.
Die White Mountain Apache investieren viel in Bildung und Kultur. In Fort Apache befindet sich das Nohwike’ Bágowa Cultural Center, was übersetzt „Haus unserer Fußspuren“ bedeutet. Dort werden traditionelle Lebensweisen, Sprache, Kunst und Geschichte bewahrt und öffentlich zugänglich gemacht. Sprachprogramme, kulturelle Workshops und eine Sammlung historischer Fotografien sind Teil dieses kulturellen Programms. Im Zentrum des Museums steht ein Wikiup, das traditionelle Wohnhaus der Apachen.
Wie viele indigene Gemeinschaften stehen auch die White Mountain Apache vor Herausforderungen: Dazu zählen soziale Probleme wie Armut, eine überdurchschnittlich hohe Rate an chronischen Krankheiten sowie die Aufgabe, junge Menschen in der eigenen Kultur zu verwurzeln und ihnen zugleich Perspektiven zu eröffnen.
Für Besucher bietet die Region eine Fülle an Erlebnissen: Das Sunrise Park Resort um Mount Baldy ist Arizonas größtes Skigebiet, im Sommer locken Zipline, Angeln, Wandern und Mountainbiken.
Für sämtliche Outdoor-Aktivitäten – ob Wandern, Fischen oder Campieren – ist eine Genehmigung der White Mountain Apache erforderlich. Die Vorschriften sind streng, und Unwissenheit schützt nicht vor empfindlichen Strafen. Mehr Informationen zu den erforderlichen Genehmigungen gibt es beim White Mountain Apache Game & Fish Department.
Der neben dem Nohwike’ Bágowa Cultural Center gelegene Fort Apache Historic District kann auf eigene Faust erkundet werden – mit Karten und Erläuterungen aus dem Museum. Sehenswert ist auch die nahe gelegene Pueblo-Ruine Kinishba.
Persönliche Empfehlungen
Nohwike’ Bágowa Cultural Center
Der Eintrittspreis für das Museum beinhaltet auch die Besichtigung von Fort Apache und den Kinishba-Ruinen. Wenn du Zeit für eine kleine Wanderung hast, dann frag nach dem Rundgang außerhalb des Forts – besonders spannend bei gutem Wetter.
Fort Apache
Wer sich für die Geschichte der Apachen und die sogenannten Apachenkriege interessiert, sollte Fort Apache gesehen haben. Viele Gebäude sind gut erhalten und geben einen Einblick in das Leben in einem Fort der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Im ältesten Gebäude, General Crook’s Cabin (erbaut 1871), ist eine Ausstellung den Apache-Scouts gewidmet.
Arrowhead Café
Wer beim Erkunden von Fort Apache Lust auf eine Stärkung hat, sollte unbedingt im Arrowhead Café einkehren – von Einheimischen betrieben, liebevoll eingerichtet, mit ausgezeichnetem Kaffee, hausgemachten Kuchen und einem kleinen Shop. Das Café befindet sich in einem der ehemaligen Offiziersgebäude.
Hon-Dah Casino und Hotel
Ich meide Casinos generell – aber das Hon-Dah Hotel, direkt beim gleichnamigen Casino, mag mich und ich übernachte dort gerne, wenn ich in der Gegend bin: große, komfortable Zimmer mit Regendusche, ein knisterndes Kaminfeuer in der Lobby, freundliches Personal und ein sehr gutes Frühstücksbuffet im „Indian Pine Restaurant“. Ein idealer Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden.
Links

San Carlos Apache Reservation
Die San Carlos Apache Reservation wurde 1871 gegründet, als die US-Regierung begann, verschiedene Apache-Gruppen zwangsweise umzusiedeln. Für viele war San Carlos ein Ort des Leidens: der Verlust ihrer ursprünglichen Heimat, mangelnde Versorgung, extreme Kontrolle und kulturelle Zerstörung. Nicht zufällig wurde die Region in historischen Berichten als „Hell’s 40 Acres“ bezeichnet – vierzig Hektar Hölle – unfruchtbares, damals malariaverseuchtes Wüstenland.
Die Reservation erstreckt sich über rund 1,8 Millionen Acres (ca. 7.280 km²) im Osten Arizonas. Die Landschaft ist geprägt von der Sonora-Wüste: wenige Bäume, robuste Sträucher, Agaven und die ikonischen Saguaros – meterhohe Riesenkakteen. Im Norden und Osten der Reservation finden sich jedoch auch Seen und höhergelegene Waldgebiete.
Kulturell ist San Carlos ein Ort des lebendigen Erbes. Die Menschen sind bekannt für ihre meisterhafte Korbflechtkunst und ihren Silberschmuck mit Peridot, einem grünen Halbedelstein, der hier in weltweit einzigartiger Menge vorkommt. Der Peridot-Mining District auf dem San-Carlos-Gebiet ist die größte bekannte Lagerstätte weltweit.
Zu den großen Herausforderungen gehört ein Kapitel, das lange verdrängt wurde: In den 1960er- oder 1970er-Jahren wurde in Teilen der Reservation Agent Orange versprüht – ein Entlaubungsmittel, das im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Bis heute ist das Land stellenweise belastet. Es gibt Berichte über erhöhte Krebsraten, Fehlgeburten und andere gesundheitliche Schäden. Der Dokumentarfilm Agent Orange on the Rez dokumentiert dieses dunkle Kapitel (Link zum Film siehe weiter unten).
Viele Familien in San Carlos leben unterhalb der Armutsgrenze. Neben einer hohen Arbeitslosigkeit sind chronische Erkrankungen weit verbreitet – auch als Spätfolge der Umweltbelastung. Umso wichtiger ist die Arbeit von Programmen wie dem Apache Language Preservation Program, in dem nicht nur die Sprache gelehrt, sondern auch traditionelles Wissen an die Jugend weitergegeben wird: das Sammeln und Verarbeiten wilder Früchte, der Bau eines Wikiups, das traditionelle Jagen oder Handwerkskunst.
Wer die San Carlos Reservation besuchen möchte, sollte sich gut vorbereiten: Wandern, Jagen, Campieren und Fischen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Stammes erlaubt. Die Regeln sind streng, und die Strafen bei Verstößen hoch. Ebenso gilt: Wer Artefakte oder Fundstücke entdeckt, darf diese keinesfalls mitnehmen – sie gehören zum kulturellen Erbe und müssen gemeldet werden.
Persönliche Empfehlungen
San Carlos Apache Cultural Center
Ein kleines, gut kuratiertes Museum in Peridot (Highway 70, Mile Marker 272), in welchem man mehr über die Geschichte von San Carlos erfährt. Im kleinen Museumsshop kann man Kunsthandwerk kaufen – insbesondere Korbwaren und Silberschmuck mit Peridot.
Apache Jii Day Festival (Globe)
Ein jährlich am 3. Samstag im Oktober stattfindendes Fest der San Carlos Apache in der — außerhalb der Reservation — nahegelegenen Stadt Globe. Hier kannst du Crown Dancer (Ghan) erleben, traditionelle Lieder hören, Apache-Burger essen und hochwertiges Kunsthandwerk verschiedener Stämme erwerben – vor allem aus San Carlos.
Pickle Barrel Trading Post (Globe)
Ein besonderer Ort, um authentische Souvenirs aus dem Süden der USA zu finden – und Materialien, mit denen Apachen ihre traditionelle Kleidung herstellen. Wenn du gezielt nach Stücken aus San Carlos fragst, unterstützt du direkt lokales Kunsthandwerk.
Links
➪ Intertribal Council of Arizona: San Carlos Apache Tribe
➪ San Carlos Apache Tribe: Office of Tribal Enrollment
➪ Agent Orange on the Rez (Film auf Vimeo)
➪ San Carlos Apache Reservation — die frühen Jahre 1872 bis 1886
Tonto Apache Reservation
Die Tonto Apache Reservation ist mit nur 85 Acres (ca. 0,34 km²) die kleinste Reservation in Arizona. Sie liegt direkt südlich der Stadt Payson im Gila County, etwa 150 km nordöstlich von Phoenix. Die Tonto Apache – auch Dilzhe’e genannt – lebten bereits seit Jahrhunderten in dieser Region.
Im Jahr 1875 wurden sie gemeinsam mit den Yavapai gewaltsam von der Rio Verde Reservation auf die San Carlos Reservation zwangsumgesiedelt. Nach etwa 20 Jahren kehrten einige Familien in ihre angestammte Heimat um Payson zurück – doch große Teile des Landes waren inzwischen von weißen Siedlern beansprucht worden. Erst 1972 erhielten die Tonto Apache wieder einen kleinen Landstreifen südlich von Payson als Reservation zugewiesen.
Heute zählt die Gemeinschaft rund 140 eingeschriebene Mitglieder, etwa 100 von ihnen leben auf der Reservation. Die Tonto Apache sind in der Kunstwelt bekannt für ihre Perlenstickerei und Korbflechterei, die auf Messen und Kunsthandwerksmärkten landesweit Anerkennung findet.
Trotz ihrer geringen Größe engagiert sich die Gemeinde stark in der Region. Der Betrieb des Mazatzal Hotel & Casino, eröffnet 1994, macht den Stamm zu einem der größten Arbeitgeber in Payson.
Links

Yavapai-Apache Nation
Die Yavapai-Apache Nation besteht aus zwei historisch eigenständigen Völkern:
- den Yavapai (Wipuhk’a’bah), die zur Yuman-Sprachfamilie gehören, und
- den Tonto-Apachen (Dil’zhe’e), die eine athabaskische Sprache sprechen.
Beide Gruppen lebten seit Jahrhunderten im Verde Valley in Zentral-Arizona. Obwohl sie kulturell und sprachlich verschieden sind, teilten sie Lebensraum, Ressourcen und viele Herausforderungen – weshalb sie von außen oft als eine Einheit wahrgenommen wurden.
1871 wurde für sie die Camp Verde Reservation eingerichtet. Doch bereits 1875 wurden rund 1.476 Yavapai und Tonto Apache unter Zwang nach San Carlos deportiert – ein über 300 Kilometer langer Fußmarsch durch winterliches, unwegsames Gelände. Viele starben unterwegs an Kälte, Hunger und Erschöpfung. Dieses Trauma wird heute jährlich im Februar mit dem „Yavapai-Apache Exodus Day“ erinnert.
Ab 1900 kehrten Überlebende in kleinen Familiengruppen zurück. 1910 wurde die Camp Verde Reservation neu gegründet, später erweitert, und 1937 zur heutigen Yavapai-Apache Nation zusammengeführt. Die Nation besteht heute aus fünf verstreuten Siedlungsgebieten in Camp Verde, Middle Verde, Tunlii, Rimrock und Clarkdale.
Lange Zeit war das Gebiet mit rund 2,7 km² zu klein, um den Wohn- und Wirtschaftsbedarf der Gemeinschaft zu decken. Doch im Oktober 2024 wurde ein bedeutender Landtausch mit dem U.S. Forest Service abgeschlossen: Die Nation erhält rund 13 km² angestammtes Land zurück – ein wichtiger Schritt für Wohnbau, Landwirtschaft und kulturelle Wiederherstellung.
Die Yavapai-Apache Nation engagiert sich intensiv für den Erhalt beider Sprachen und Kulturen. Ein neues Kulturzentrum ist im Aufbau, das Sprachprogramme, Stammesarchive und eine Ausstellung zur gemeinsamen Geschichte beider Völker beherbergen soll. Wirtschaftlich betreibt der Stamm das Cliff Castle Casino & Hotel in Camp Verde.
Persönliche Empfehlungen
Montezuma Castle National Monument
Ein beeindruckendes Bauwerk Zeit, das mit Montezuma nichts zu tun hat. Das “Castle” liegt wie eine Burg in einer Felsspalte hoch über dem Talboden. Besonders im Native American Heritage Month (November) finden hier Veranstaltungen mit Tänzen und Liedern der Yavapai-Apache Nation statt – ein wunderbarer Ort, um Geschichte, Natur und lebendige Kultur zu erleben.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem alten Indianer am Ausgang des Parks. Ich hatte ihm erzählt, wie sehr mich die Atmosphäre dort berührt hatte – und die Sykomoren, die sich wie tanzend über den Bach neigten und im Wind wiegten. Er nickte, lächelte und sagte: „Ich weiß. Am Abend, wenn niemand mehr sonst im Park ist, erzählen sie mir ihre Geschichten.“
Fort Verde State Historic Park
Obwohl nicht Teil der Reservation, vermittelt dieses kleine, gut erhaltene Fort spannende Einblicke in die Geschichte der Region während der Zeit der Indianerkriege. Hier erfuhr ich auch, warum die Forts im Südwesten – anders als in Hollywood-Filmen – meist keine Palisaden hatten: Da ein Angriff der Apachen ihnen zu hohe Verluste bedeutet hätte, waren die Forts nie primäre Angriffsziele und damit Palisaden unnötig.
Links
➪ Yavapai-Apache Nation Webseite
➪ National Park Service: Montezuma Castle

Mescalero Apache Reservation
Die Mescalero Apache Reservation liegt überwiegend im Otero County im südlichen New Mexico und umfasst rund 1.874 km². Heute ist sie Heimat für drei traditionelle Apache-Gruppen: die Mescalero, die Chiricahua und die Lipan Apache. Diese Gruppen lebten ursprünglich in weiten Teilen des heutigen New Mexico, Texas und Nordmexikos. Ihre Geschichte ist geprägt von jahrzehntelanger Vertreibung, Kriegsgefangenschaft und Umsiedlung.
Der Name “Mescalero” wurde ihnen von den Spaniern gegeben, da die Spanier bemerkten, dass sie Mescalero-Pflanzen aßen; genaugenommen brateten sie die Herzen bestimmter Agaven-Pflanzen.
Die Mescalero Apache erhielten 1873 ein eigenes Gebiet – in einem Teil ihres angestammten Landes. Zuvor waren sie gemeinsam mit den Navajo in Fort Sumner, heute bekannt als Bosque Redondo Memorial, interniert worden – unter Bedingungen, die viele Überlebende später mit einem Konzentrationslager verglichen.
Die Chiricahua Apache kamen erst 1913 nach Mescalero, nach ihrer Entlassung aus 27 Jahren Kriegsgefangenschaft in Fort Sill (Oklahoma). Sie wählten die Mescalero-Reservation als ihre neue Heimat.
Im Ort Mescalero, dem Zentrum der Reservation, befindet sich das Mescalero Apache Cultural Center & Museum. Es vermittelt Geschichte, Gegenwart und kulturelles Erbe aller drei Apache-Gruppen. Zu sehen sind traditionelle Kleidung, Werkzeuge, Kunsthandwerk und viele historische Fotografien. Auch Sprachpflege und die Vermittlung kultureller Werte – etwa bei den Coming-of-Age-Zeremonien für junge Mädchen – gehören zu den Aufgaben des Museums.
Der Stamm betreibt mehrere eigene Unternehmen, um wirtschaftlich unabhängig zu bleiben: darunter das Ski Apache Resort (das südlichste Skigebiet der USA), das Inn of the Mountain Gods (Hotel, Casino, Golfplatz), sowie Unternehmen für Holzverarbeitung, Telekommunikation und Landwirtschaft.
Outdoor-Aktivitäten wie Angeln, Jagen und Campen sind auf dem Reservatsgebiet möglich – allerdings nur mit Genehmigung. Wer auf Nummer sicher gehen will, informiert sich vorab auf der offiziellen Webseite oder im Besucherzentrum.
Und ja – den Silbersee der Apachen gibt es nicht nur bei Karl May: Rund um den malerischen Silver Lake gibt es einen Campingplatz.
Persönliche Empfehlungen
Mescalero Apache Cultural Center & Museum
Ein Ort zum Lernen, Zuhören und Staunen – über die Vielfalt der drei Apache-Gruppen, ihre Geschichte und ihren Überlebenswillen.
Inn of the Mountain Gods
Das Resort liegt am See, mit Golfplatz, Casino, gutem Restaurant und großzügigen Zimmern. Unter der Woche sind die Preise deutlich günstiger. Die Lobby mit Blick auf den See lädt zum Verweilen ein – ein idealer Ausgangspunkt, um die Region zu erkunden.
Vor dem Hotel sind die bronzenen Statuen der Ghan zu sehen, der “Mountain Gods”, welche der Legende nach die Apachen lehren und beschützen. Sie werden oft als Crown Dancer bezeichnet, weil ihr Kopfschmuck an eine Krone erinnert; jedenfalls sind sie aber keine „Götter“, ich würde sie „Berggeister“ nennen.
Coming-of-Age-Zeremonie Anfang Juli
Rund um den 4. Juli findet die wichtigste Zeremonie der Apachen für die heranwachsenden Mädchen statt – begleitet von Tanz, Gesang, Zeremonien und einem Rodeo. Besucher sind willkommen, sollten sich jedoch respektvoll und zurückhaltend verhalten.
Bosque Redondo Memorial, Fort Sumner
Ein tieferes Verständnis der Geschichte der Mescalero Apachen bekommt man im Bosque Redondo Memorial in Fort Sumner (ca. 3 Fahrstunden entfernt). Das Memorial dokumentiert eindrücklich die gemeinsame Internierung von Navajo und Mescalero – ein oft übersehenes Kapitel amerikanischer Geschichte mit tausenden Opfern. Das “Memorial” wird von einer sehr engagierten, privaten Initiative betrieben.
Fort Stanton & Lincoln
Wenige Autostunden von der Reservation entfernt liegt Fort Stanton, das 1855 gegründet wurde, um die Mescalero-Apachen zu kontrollieren. Dort habe ich zum ersten Mal eine Uniform aus der damaligen Zeit in der Hand gehalten – aus feiner, gewalkter Schafwolle, angenehm warm im Winter und temperaturausgleichend im Sommer. Besonders eindrücklich fand ich die Einblicke in das Leben einfacher Soldaten: Zwei Mann teilten sich ein Bett, der Dienst war eintönig, Gefechte eher selten.
Wer ohnehin in der Gegend ist, sollte auch das nahegelegene Lincoln besuchen – ein lebendiges Museumsdorf mit zahlreichen erhaltenen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert. Hier spielte sich der berühmte „Lincoln County War“ ab – bekannt auch durch die Geschichte von Billy the Kid.
Links
➪ Mescalero Apache Tribe Website
➪ Mescalero Apache Cultural Center & Museum
➪ Inn of the Mountain Gods Casino & Hotel

Jicarilla Apache Nation
Die Jicarilla Apache Reservation liegt im nordzentralen New Mexico, direkt an der Grenze zu Colorado. Sie wurde 1887 gegründet und 1907 durch Theodore Roosevelt erweitert. Mit einer Fläche von rund 875.000 Acres (ca. 3.540 km²) zählt sie zu den größeren Apache-Reservationen. Das Zentrum der Reservation ist der Ort Dulce, Sitz der Stammesregierung.
Der Name “Jicarilla” (ausgesprochen wie “Hikaria”, die Betonung liegt auf dem letzten “i”) bedeutet auf spanisch “Körbchen” und weist auf die Korbfelchtkunst der Jicarillas. Die ursprünglichen Heimatgebiete der Jicarilla umfassten Teile von New Mexico, Colorado, Kansas sowie die nördlichen Zipfel von Oklahoma und Texas – insgesamt über 50 Millionen Acres. Mündlichen Überlieferungen zufolge reisten sie einst bis nach Wyoming und vergaben Namen an Berge und Landschaften. Vor der Ankunft der Europäer lebten schätzungsweise 12.000 bis 14.000 Jicarilla als Halbnomaden im Einklang mit der Natur. Durch Krankheiten, Kriege und koloniale Gewalt sank ihre Zahl bis ins 19. Jahrhundert auf unter 1.000.
Von ihrer hohen Korbflechtkunst kann man sich im Jicarilla Apache Cultural Arts & Heritage Center überzeugen, das 2017 eröffnet wurde. Hier werden traditionelle Kunstformen wie Korbflechterei, Perlenarbeiten und Töpferei nicht nur ausgestellt, sondern auch aktiv gepflegt und unterrichtet. Elf Künstler und Künstlerinnen arbeiten regelmäßig im Zentrum, verkaufen ihre Werke auf Messen, Pow-Wows und Märkten – und vermitteln ihr Wissen an die nächste Generation.
Die Landschaft der Reservation ist geprägt von Hochplateaus, ausgedehnten Kiefernwäldern, klaren Seen und einem reichen Wildbestand – darunter Elche (Wapiti), Bären und Hirsche. Die Jicarilla gelten bis heute als exzellente Jäger. Jagd- und Outdoor-Tourismus spielen eine bedeutende wirtschaftliche Rolle. Auch die Ölförderung trägt zum relativen Wohlstand der Nation bei. Das spiegelt sich im Ortsbild von Dulce wider: viele Häuser sind gemauert, mit gepflegten Gärten – ein seltener Anblick in Reservationen.
Kulturelle Höhepunkte im Jahreskreis
Gojiiya Feast Day
Das Erntedankfest findet immer Mitte September statt, mit rituellem Staffellauf zwischen den beiden Clans: dem Llanero (Roter Clan, lebte in den Ebenen) und dem Ollero (Weißer Clan, lebte in den Bergen). Die Zeremonie findet auf einem traditionellen Gelände am Stone Lake, südlich von Dulce, statt.
Little Beaver Round-Up
Das gesellschaftliche Großereignis am 3. Wochenende im Juli in Dulce: mit Parade, Pow-Wow, Rodeo, Konzerten, Pony-Express, Karneval und viel Apache-Gemeinschaftsgefühl.
Persönliche Beobachtung
Die Fahrt durch das Land der Jicarilla war für mich eine der ruhigsten und eindrücklichsten Etappen meiner Reise. Ich war überrascht, wie gepflegt viele Häuser wirkten – mit Blumenbeeten, Holzveranden, dekorierten Einfahrten. Ganz anders als das Bild, das man oft mit Reservationen verbindet. Man spürt hier Stolz – und dass die Jicarilla, trotz allem, in einem Teil ihres ursprünglichen Landes geblieben sind und es aktiv gestalten.
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Fort Sill Apache Tribe
Die Fort Sill Apache sind Nachfahren der Chiricahua, genauer gesagt der Warm Springs Apache, die bis in die späten 1880er-Jahre im Grenzgebiet von New Mexico, Arizona und Nordmexiko lebten. Nachdem Geronimo und seine Gefolgsleute 1886 kapituliert hatten, wurden rund 500 Chiricahua Apachen von der US-Regierung als Kriegsgefangene in den Osten deportiert – zunächst nach Florida, dann nach Alabama und schließlich nach Fort Sill in Oklahoma. Dort blieben sie 27 Jahre lang in Gefangenschaft – bis zur offiziellen Entlassung im Jahr 1914.
Ein Teil der Gemeinschaft zog nach ihrer Freilassung in die Mescalero-Reservation nach New Mexico, andere blieben in Oklahoma. Ihre Nachfahren bilden heute den Fort Sill Apache Tribe, mit Sitz in der Ortschaft Apache, Oklahoma. Der Stamm zählt etwa 800 eingeschriebene Mitglieder, von denen rund 300 in Oklahoma leben – der Rest ist über die gesamten USA verstreut.
Anders als andere Apache-Gemeinschaften besitzt der Stamm keine eigene Reservation im klassischen Sinn. In Oklahoma gehört er zur sogenannten OTSA – Oklahoma Tribal Statistical Area, einem statistischen Konstrukt, das keine territoriale Exklusivität wie eine Reservation bietet. Genauer gesagt sind die Fort Sill Apache Teil von zwei OTSAs:
- Kiowa-Comanche-Apache-Fort Sill Apache OTSA
- Kiowa-Comanche-Apache-Fort Sill Apache / Caddo-Wichita-Delaware joint-use OTSA
In diesen Gebieten leben indigene und nicht-indigene Menschen gemeinsam. Nur registrierte Stammesmitglieder unterliegen dort der Hoheit des jeweiligen Stammes. Ein kleines Stück Land im historischen Siedlungsgebiet der Chiricahua in New Mexico, nahe Akela an der Interstate 10, wurde dem Stamm als sogenanntes Trustland zugesprochen – es gilt als symbolischer Mittelpunkt.
Trotz begrenzter Fläche ist der Fort Sill Apache Tribe eine aktive Gemeinschaft mit eigenen Programmen, wirtschaftlichen Initiativen und einer lebendigen Erinnerungskultur. Das Fort Sill Apache Casino in Lawton, Oklahoma sichert viele Arbeitsplätze und ist eine wichtige Einnahmequelle. Der Stamm arbeitet zudem in Fragen kultureller Wiederbelebung und politischer Vertretung eng mit den Chiricahua in der Mescalero-Reservation zusammen.
Persönliche Empfehlungen
Apache Homelands (Akela, New Mexico)
Wer mit dem Auto auf der Interstate 10 zwischen Las Cruces und Lordsburg unterwegs ist, sollte eine Pause an der Raststation „Apache Homelands“ einlegen. Sie steht auf dem kleinen Trustland, das der Stamm heute besitzt – ein winziges, aber bedeutendes Zeichen der Anerkennung. In der Raststation finden sich Tafeln und Informationen zur Geschichte der Chiricahua-Apachen.
Fort Sill Historic Site (Lawton, Oklahoma)
Ein Besuch in Fort Sill selbst ist eine eindrückliche Erfahrung. Das historische Fort, in dem die Chiricahua 27 Jahre lang gefangen waren, beherbergt heute ein Museum sowie einen Militärfriedhof, auf dem auch Geronimo begraben liegt. Fort Sill ist bis heute ein aktiver Militärstützpunkt – mit einem Besucherzentrum, Registrierungssystem und Sicherheitsvorgaben.
Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich als Zivilistin zwischen hunderten uniformierter Rekruten im Speisesaal saß – der einzige Ort auf meiner Reise, wo ich auf einem Besuchsformular meine Hautfarbe angeben musste. Nach erfolgter Registrierung erhielt ich eine temporäre Zugangsplakette fürs Auto, mit der ich mich frei auf dem Gelände bewegen durfte – vorbei an Wohnsiedlungen, Trainingsplätzen, Kliniken, Verwaltungsgebäuden. Die Fahrt vom Eingangstor bis zum Friedhof dauerte rund 15 Minuten.
Der Besuch war bewegend. Einerseits wegen der Vorstellung, wie es war, als freies Volk in einem umzäunten Militärareal leben zu müssen. Andererseits, weil Fort Sill – bis heute – ein funktionierender Teil der US-Militärstruktur ist. Geschichte, Gegenwart und Macht liegen hier sehr dicht beieinander.
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Was ist mit dem Apache Tribe of Oklahoma?
Der Apache Tribe of Oklahoma, auch bekannt als Plains Apache oder Kiowa Apache, ist ein in Oklahoma ansässiger Stamm mit rund 1.700 eingeschriebenen Mitgliedern (Stand 2014). Sprachlich gehören sie zur athabaskischen Sprachfamilie und werden daher oft den Apachen zugeordnet.
Kulturell jedoch sind sie eng mit den Kiowa verbunden, unter deren Einfluss sie über Generationen hinweg in enger Nachbarschaft lebten. Ihre Zeremonien, soziale Organisation und Lebensweise unterscheiden sich deutlich von jenen der anderen Apache-Gruppen im Südwesten. Sie orientieren sich in vielen Bereichen an der Präriekultur der südlichen Plains – etwa bei der Kriegerkultur, den Tipis oder dem Sonnentanz.
Aus diesem Grund wird der Apache Tribe of Oklahoma in diesem Artikel nicht als eigene Apache-Reservation behandelt. Der Fokus dieses Artikels liegt auf jenen Gemeinschaften, die sich selbst als Teil der kulturellen Apache-Welt verstehen – mit einer eigenständigen Identität, die sich deutlich von den Plains-Kulturen unterscheidet.
Was ist mit dem Lipan Apache Tribe of Texas?
Die Lipan Apache gelten als östlichste Gruppe der Apachen. Traditionell lebten sie in einem riesigen Gebiet, das heutiges Texas, New Mexico, Nordmexiko, Oklahoma und Colorado umfasste. Einige ihrer Nachfahren sind heute in der Mescalero Reservation eingeschrieben und gehören dort offiziell zur Gemeinschaft der Mescalero Apache.
Der sogenannte Lipan Apache Tribe of Texas, mit Sitz in McAllen, ist derzeit nicht bundesstaatlich anerkannt, obwohl er 2009 und 2019 durch Resolutionen des texanischen Senats und Repräsentantenhauses symbolisch gewürdigt wurde.
Ein bedeutender Gerichtserfolg im Jahr 2016 ermöglichte über 400 Stammesangehörigen, Adlerfedern für religiöse Zeremonien zu verwenden – ein Recht, das normalerweise nur Mitgliedern bundesstaatlich anerkannter Stämme zusteht. Grundlage war die Verletzung ihrer Religionsfreiheit gemäß dem „Religious Freedom Restoration Act“ (RFRA).
Die Lipan Apache kämpfen weiterhin für eine offizielle Anerkennung, sowie den Schutz ihrer kulturellen Rechte. Da sie jedoch keine eigene Reservation besitzen und sich in einer anderen politischen und kulturellen Situation befinden als die in diesem Artikel porträtierten Gruppen, wird ihre Geschichte hier nur am Rande erwähnt, aber nicht ausführlich behandelt.

Karte der heutigen Apachen-Reservationen (copyright The Wisdom Trail)
3. Übersicht Apache-Reservationen heute
Die folgende Übersicht zeigt alle Apache-Gemeinschaften, die heute in einer offiziell anerkannten Reservation leben – oder, wie im Fall der Fort Sill Apache, in einem rechtlich abweichenden Gebietsstatus. Die Angaben zur Fläche und Einwohnerzahl basieren auf aktuellen Census-Daten bzw. Tribal Reports und können regional abweichen.

Fort Apache Reservation
➪ White Mountain- und Cibecue-Apache
Bundesstaat: Arizona
Fläche: ca. 6.800 km²
Einwohner: ca. 15.000
San Carlos Apache Reservation
➪ San Carlos Apache
Bundesstaat: Arizona
Fläche: ca. 7.500 km²
Einwohner: ca. 10.600
Tonto Apache Reservation
➪ Tonto / Dilzhe’e Apache
Bundesstaat: Arizona
Fläche: ca. 0,5 km²
Einwohner: ca. 100
Yavapai-Apache Nation Reservation
➪ Yavapai und Tonto(Dilzhe’e)-Apache
Bundesstaat: Arizona
Fläche: ca. 7,5 km²
Einwohner: ca. 900
Mescalero Apache Reservation
➪ Mescalero, Chiricahua und Lipan-Apache
Bundesstaat: New Mexico
Fläche: ca. 1.900 km²
Einwohner: ca. 3.600
Jicarilla Apache Nation Reservation
➪ Jicarilla Apache
Bundesstaat: New Mexico
Fläche: ca. 3.400 km²
Einwohner: ca. 3.200
Fort Sill Apache
➪ Chiricahua (Warm Springs) Apache
Bundesstaat: Oklahoma, New Mexico
Einwohner: ca. 800
Status der Fort Sill Apache: in Oklahoma keine eigene Reservation, sondern Teil der Kiowa-Comanche-Apache-Fort Sill Apache OTSA (Oklahoma Tribal Statistical Area); In New Mexico: kleine Landbasis (Trustland) nahe Akela, I‑10