November 18, 2025

Skinwalker, Bigfoot, UFOs – Die Navajo Ranger und das Paranormale

Buchrezen­sion zu „The Para­nor­mal Ranger“ von Stan­ley Mil­ford Jr. – mit per­sön­lichen Beobach­tun­gen bei den Apachen. 

Ein Nava­jo Ranger, der Big­foot, Skin­walk­ern und UFOs begeg­net – und seine Erleb­nisse doku­men­tiert wie ein Ermittler.

In The Para­nor­mal Ranger erzählt Stan­ley Mil­ford Jr. von Begeg­nun­gen zwi­schen Real­ität und Leg­ende – und zeigt, dass die Welt der Nava­jo viel magis­ch­er ist, als wir denken.

Stanley Milford Jr.: The Paranormal Ranger

Ein unruhiger Herb­st­mor­gen in der San Car­los Apache Reservation

Am späteren Vor­mit­tag an einem klaren, war­men Novem­bertag im Jahr 2018 besuchte ich einen Fre­und in der San Car­los Apache Reservation. 

Nach zweima­ligem Klopfen an der Tür des Trail­er-Haus­es öffnete er, nicht wie son­st mit einem Lächeln und einem guten Spruch auf den Lip­pen. Er sah müde aus. „Ich habe bis jet­zt geschlafen“, murmelte er. „Wir hat­ten eine unruhige Nacht.“

„Was war los?“, fragte ich.

Er sah mich an, senk­te die Stimme, fast flüsternd: „Ein Chidin war unter­wegs. Jemand rief die Polizei, die kamen dann auch bei uns vorbei.“

Ich run­zelte ungläu­big die Stirn. „Ein Chidin? — Was meinst du?“

„Ein Bruxo. Ein Skin­walk­er. Ein Hex­er … oder der Teufel. Nenn es, wie du willst. Ein Dijn ist ein Medi­z­in­mann, der die göt­tliche Kraft zum Guten nutzt. Wenn er sie nützt, um Bös­es zu bewirken, dann wird er zum Chidin.“

Ich kan­nte das Konzept des ‚Diji‘ bei den Apachen sehr wohl – jene göt­tliche Kraft, die in allem wohnt. Manch­es oder manche haben mehr davon — das sind dann heilige Plätze, heilige Pflanzen oder Medi­z­in­män­ner oder Medi­z­in­frauen — Dijin.

Auch kan­nte ich den Aus­druck “Chidin” — jemand, der die “Kraft” zum Bösen ver­wen­det. Jedoch hielt ich das für Folk­lore oder Leg­en­den, so wie in unseren Märchen die Hex­en oder Magier.

Ich hat­te davon gele­sen, im Buch „The Med­i­cine-Men of the Apache” von John G. Bourke, einem Cap­tain der U. S. Army, der mit Gen­er­al Crook auf der Fährte der let­zten abtrün­ni­gen Chir­ic­ahua-Apachen unter Geron­i­mo und Häuptling Naiche war. Auch Mor­ris Edward Opler schreibt darüber in seinem Buch „An Apache life-way; the eco­nom­ic, social, and reli­gious insti­tu­tions of the Chir­ic­ahua Indians“.

Im West­ern “The Miss­ing” von Ron Howard aus dem Jahr 2003 spielt Eric Schweig einen dämonis­chen Chidin, der die Pro­tag­o­nis­ten, gespielt von Tom­my Lee Jones und Cate Blanchett mit einem Fluch belegt.

Ein kri­tis­ch­er Blick auf meinen Fre­und machte mir aber in diesem Augen­blick klar: Der meint das ernst. Gestern Nacht hat die Reser­vat­spolizei einen Chidin gejagt.

“Haben sie ihn gefun­den?”, fragte ich. Er schüt­telt den Kopf.

Seit diesem Tag hörte ich viele solch­er Geschicht­en aus dem Süd­west­en der USA. Von UFOs, die laut­los über die Reser­va­tion schwebten. Von Big­foot, der Schafe aus den Ställen holte. Von Skin­walk­ern, die nachts durch die Straßen huscht­en. Von guten Berggeis­tern, die Men­schen erschienen und ihnen Segen brachte. Von “Kleinen Men­schen”, die Berge und Plätze beschützen und unfre­undlich wer­den kön­nen, wenn man die Natur nicht achtet. Geschicht­en, die in Europa wohl als Spin­nerei abge­tan wür­den – hier aber Teil des All­t­ags sind.

Und ich begann mich zu fra­gen: Leben die Apachen und Nava­jo in einer magis­chen “Ander­swelt”, deren Zugang wir längst ver­loren haben?

„The Para­nor­mal Ranger“ – Ein Nava­jo Ranger zwi­schen Akte X und ural­ten Legenden

Genau mit dieser Frage befasst sich das Buch The Para­nor­mal Ranger von Stan­ley Mil­ford Jr. .

Über zwanzig Jahre lang arbeit­ete Stan­ley als Ranger in der Nava­jo Nation, elf davon in einer Spezialein­heit für das Unerklärliche.

Die Nava­jo Nation ist das größte indi­gene Ter­ri­to­ri­um der Vere­inigten Staat­en. Sie erstreckt sich über den Nor­dosten Ari­zonas, den Nord­west­en New Mex­i­cos und einen kleinen Teil Utahs – eine Fläche so groß wie Bay­ern. Sie beherbergt solche einzi­gar­ti­gen Naturschön­heit­en wie Mon­u­ment Val­ley, und Canyon de Chelly. Zwi­schen roten Felsen, tiefen Canyons, weit­en Hoch­plateaus und hohen bewalde­ten Bergen leben rund 170.000 Men­schen. Die Nava­jo nen­nen ihr Land Diné­tah, „Land des Volkes“.

Monument Valley in der Navajo Reservation - bekannt aus vielen Hollywood-Filmen

Mon­u­ment Val­ley in der Nava­jo Reser­va­tion — bekan­nt aus vie­len Hollywood-Filmen

Die Nava­jo Ranger sind eine Art Spezialein­heit inner­halb der Nava­jo Nation. Ihre Auf­gaben reichen von der Strafver­fol­gung über Umwelt- und Tier­schutz bis hin zum Schutz heiliger Stät­ten und archäol­o­gis­ch­er Relikte. 

Die Geschichte dieser Spezialein­heit der “Para­nor­mal Ranger” begin­nt mit der bit­ter­lichen Beschw­erde einer älteren Nava­jo-Dame beim Leit­er der Nava­jo Ranger. Sie hat­te bei den Rangern um Hil­fe gebeten: Sie habe einen Big­foot gese­hen, der Schafe aus ihrem Stall getra­gen hätte. Zwei junge Ranger fuhren hin – doch einer machte Witze und die bei­den woll­ten die Sache nicht weit­er ver­fol­gen. Die Frau fühlte sich ver­höh­nt und im Stich gelassen. So beschw­erte sie sich beim Leit­er der Einheit.

Der aber reagierte anders, als man vielle­icht erwarten würde. Er wusste, dass es in der Gemein­schaft viele solch­er Berichte von unerk­lär­lichen Fällen gab, die tief mit den Leg­en­den und Tabus der Nava­jo ver­woben waren.

Und vor allem sah er die Auf­gabe der Ranger darin, Men­schen zu helfen und in ihren Nöten beizuste­hen — ob die Bedro­hung nun von einem Men­schen oder von unerk­lär­lich­er Seite komme. Beson­ders älteren Men­schen ist in der Nava­jo-Tra­di­tion größter Respekt ent­ge­gen zu brin­gen und Hil­fe anzu­bi­eten. Also grün­dete er eine Spezialein­heit, die diese Fälle ern­sthaft unter­suchen sollte. Seine Wahl fiel auf Stan­ley Mil­ford und seinen Kol­le­gen Jon Dover.

Von da an waren sie die „Para­nor­mal Rangers“ – zwei Män­ner in Uni­form, die sich nicht nur mit Viehdieb­stahl, Verkehrsun­fällen oder Wilderei auseinan­der­set­zen mussten, son­dern mit Geis­tern, Hex­en, UFOs und Big­foot. Für viele ihrer Nava­jo-Kol­le­gen ein Alb­traum. Für Stan­ley und Jon war es eine Berufung.

Zwi­schen zwei Wel­ten – Stan­leys Weg zum Nava­jo Ranger

Stan­ley Mil­ford wuchs in den 1960er-Jahren in Fort Defi­ance, Ari­zona, auf, in der Reser­va­tion der Nava­jo Nation. Sein Vater war Nava­jo, seine Mut­ter Chero­kee aus Okla­homa. Nach der Schei­dung zog er mit ihr in den Osten nach Okla­homa, kehrte aber in den Ferien mit sein­er Schwest­er immer wieder zur Fam­i­lie seines Vaters zurück.

In der Nava­jo-Reser­va­tion lernte er in der Groß­fam­i­lie von seinem Vater, den Tan­ten und den Onkeln die Tabus, die Leg­en­den und Geschicht­en. Er hörte, dass man Haare und Nägel ver­bren­nen müsse, damit keine Hexe sie für Flüche ver­wen­den kon­nte. Er hörte Geschicht­en über die Yee Naald­looshii — Skin­walk­er -, böse Men­schen, die sich in Tiere ver­wan­deln kön­nen. In der Nacht solle man nicht flüstern und generell draußen vor­sichtig sein, denn da treiben sich Geis­ter herum, die nur darauf warten, ein­ge­laden zu wer­den. Er wusste von den Kräutern, die heilen kön­nen oder böse Kräfte abwehren. Er kan­nte die Macht und Weisheit von Medi­z­in­män­nern, die man bei auswe­glosen Sit­u­a­tio­nen und unerk­lär­lichen Krankheit­en um Unter­stützung bit­ten kann. 

Von der Seite sein­er Mut­ter hinge­gen sog er die west­liche Sichtweise auf. In Okla­homa hörte er Chero­kee-Leg­en­den, welche auch von Skin­walk­ern bericht­en, aber vor allem lernte er das west­liche Sys­tem ken­nen, das sich auf Wis­senschaft berief und alles andere als Aber­glauben abtat.

So lernte Stan­ley zwei Sichtweisen ken­nen – die nüchterne, wis­senschaftliche und die spir­ituelle, tra­di­tionelle der Nava­jo. Vielle­icht war es genau diese Prä­gung, die ihn befähigte, die Gren­ze zwi­schen bei­den Wel­ten zu über­queren, welche andere Nava­jo-Kol­le­gen scheuten.

Skin­walk­er – Schreck­en der Nacht

Es war eine Juli­nacht im Jahr 1986, Stan­ley war zwanzig Jahre alt, als er das erste Mal selb­st dem begeg­nete, was er bis dahin für gute Hor­rorgeschicht­en gehal­ten hatte.

Er fuhr spätabends nach einem Kinobe­such nach Hause. Der Stephen-King-Film, den er gese­hen hat­te, hallte noch in ihm nach, die Musik von AC/DC vib­ri­erte in seinen Ohren. Neben ihm im Wagen saß ein alter Nava­jo, den ihn im Kino ange­sprochen und um Mit­nahme gebeten hat­te. Der Mann sprach kaum, er bat Stan­ley lediglich, ihn an einer ein­samen dun­klen Kreuzung hinauszulassen. 

Stan­ley ließ ihn aussteigen und fuhr weit­er. Da – ein Schat­ten am Zaun ent­lang. Ein Tier? Ein Pferd? Er beschle­u­nigte, doch die Gestalt sprang mit einem Satz über den Zaun und lief nun direkt neben dem Auto.

Stan­leys Herz raste. Dieses Wesen war kein Pferd. Weiß wie Kalk, zot­telig, mit lan­gen Glied­maßen, einer grin­senden hun­dear­ti­gen Schnau­ze voll blitzen­der Zähne. Und Augen – glühend orange-rot, die ihn durch­drangen, als woll­ten sie ihm die Seele entreißen.

Er trat das Gaspedal durch. Über 100 Stun­denkilo­me­ter. Doch das Wesen hielt müh­e­los mit. Stan­ley wusste: Wenn es wollte, kön­nte es ihn pack­en und in Stücke reißen.

Schließlich erre­ichte er atem­los das Haus seines Vaters, stürzte hinein und erzählte, was geschehen war. Der Vater hörte ruhig zu und sagte dann nur:

„Sohn, du bist ger­ade einem Skin­walk­er begegnet.“

Für Stan­ley war das der Wen­depunkt. Von da an wusste er: Sie existieren.

Big­foot am San Juan River

Ein paar Jahre später, Anfang der 2000er, wurde Stan­ley mit seinem Part­ner Jon Dover zu einem Fall am San Juan Riv­er gerufen.

Eine Mut­ter hat­te ihren Sohn hin­aus­geschickt, um nach den Schafen zu sehen. Sie ver­mutete, dass ein Kojote die Schafe beun­ruhigte. Doch was der Junge draußen sah, war kein Kojote.

Er stand plöt­zlich vor einer Krea­tur von über zwei Metern Höhe, bre­it­en muskulösen Schul­tern, den ganzen Kör­p­er von dun­klem Haar bedeckt. Das Gesicht: tierisch, hun­dear­tige Zähne, ein Ges­tank nach nassem Hund.

Der Junge ließ sein Gewehr vor Schreck fall­en und ran­nte nach Hause. Zit­ternd, mit geweit­eten Augen, erzählte er sein­er Mut­ter von dem, was er gese­hen hat­te. Sie rief die Polizei – die lachte. „Ein Big­foot?“ Doch für den Jun­gen war es kein Scherz. Er traute sich tage­lang nicht mehr aus dem Haus.

Als Stan­ley und Jon anka­men, fan­den sie Abdrücke im Boden: 35 bis 45 Zen­time­ter lang, 12 Zen­time­ter bre­it. Tief eingeprägt, mit klaren Zehen­ab­drück­en. Kein Men­sch kon­nte so tiefe Ein­drücke hin­ter­lassen, kein Bär lieferte Spuren wie diese.

Sie befragten Nach­barn und sam­melten Berichte in der Umge­bung – sie kamen auf über 30 Sich­tun­gen. Immer dieselbe Beschrei­bung: groß, aufrecht, muskulös, behaart. Manche erzählten von brül­len­den Laut­en in der Nacht, andere von Haustieren, die ver­schwan­den. Manche woll­ten ver­schieden ausse­hende Big­foots gese­hen haben. Gab es gar Bigfoot-Familien?

Für viele der Betrof­fe­nen war es ein Trau­ma. Sie traut­en sich nicht mehr hin­aus, woll­ten nicht mehr alleine im Haus bleiben, schaut­en nachts mit Angst aus den Fenstern.

Sie kon­nten keinen Big­foot ver­haften. Sie sam­melten Spuren, Zeu­ge­naus­sagen und ein Büschel Haare. Aber sie kon­nten die Betrof­fe­nen beruhi­gen: Es mochte sein, dass Haustiere ver­schwan­den. Aber es gab keinen einzi­gen Bericht, dass ein Big­foot einen Men­schen ver­let­zt hatte.

Sie beka­men das Ergeb­nis des DNA-Tests für die Haare: Keine bekan­nte Spezies.

Und für Stan­ley war klar: Auch Big­foot ist mehr als nur ein Mythos.

Shiprock - legendenumwobener Berg in der Navajo Reservation

Shiprock — leg­en­de­num­woben­er Berg in der Nava­jo Reservation

Das UFO von Ganado

2009 erhiel­ten die bei­den Ranger einen Anruf aus Gana­do, Ari­zona. Ein 85 Jahre alter Nava­jo, pen­sion­iert­er Eisen­bah­n­er, hat­te in der Nacht ein Licht am Him­mel gesehen.

Doch es war nicht irgen­dein Licht und da war noch mehr, was er Stan­ley und seinem Kol­le­gen Jon erzählte.

Gegen Mit­ter­nacht sei ein run­des, sil­briges Objekt über seinem Haus geschwebt. Hell wie die Sonne, in inten­sivem Gelb-Orange. Es sei erst langsam gekreist, dann habe es sich ent­fer­nt und sei wieder zurückgekehrt.

Vier Wesen seien aus­gestiegen. Nicht größer als einen Meter, mit riesi­gen Köpfen, großen dun­klen Augen — oder tru­gen sie große Brillen? In der Hand hiel­ten Stäbe, aus denen far­bige Licht­strahlen kamen: rot, grün, blau, gelb. Laut­los seien sie um das Haus gegan­gen, als wür­den sie etwas suchen. Nicht ein­mal die Hunde bellten.

Der Mann hat­te schließlich seine Angst über­wun­den, trat hin­aus, um sie zur Rede zur Stellen. Dann war er gestolpert und als er sich wieder aufraffte, ver­schwan­den sie, stiegen wieder in ihr Flug­gerät ein und flo­gen davon.

Stan­ley und Jon fan­den Abdrücke im Boden, erhöhte Strahlung – und riefen das MUFON-Net­zw­erk sowie Experten von Bigelow Aero­space zu Hil­fe. Doch die Ergeb­nisse ver­schwan­den in Schubladen.

Der alte Mann erhielt später lukra­tive Ange­bote von Medi­en, die seine Geschichte veröf­fentlichen woll­ten. Er lehnte alle Ange­bote ab. Er wollte nur, dass seine Geschichte von den Rangern doku­men­tiert wurde. „Nicht für mich“, sagte er, „son­dern für meine Kinder und Enkel. Damit sie wis­sen, dass es wahr ist.“

Spuk in Win­dow Rock

2010 erre­ichte Stan­ley einer der unheim­lich­sten Fälle sein­er Kar­riere. In Win­dow Rock, der Haupt­stadt der Nava­jo Nation, berichteten Angestellte eines Regierungs­ge­bäudes von Stim­men, Geis­tern und herum­fliegen­den Gegenständen. 

Stan­ley und sein Team ver­bracht­en 2 Tage und Nächte in dem alten Sand­stein­bau. Kaum war das Licht gelöscht, ging der Spuk los. Stan­ley beschreibt, dass er plöt­zlich deut­lich spürte, wie ein unsicht­bar­er Fin­ger über seine Ober­lippe fuhr.

Münzen fie­len aus dem Nichts auf den Boden. Immer mit der Zahlen­seite nach oben. Ein­mal gle­ich 65 Stück in zwei Tagen.

Auf einem Foto waren hun­derte von “Orbs” zu sehen — sie schwebten wie Seifen­blasen unter der Decke. Eine Bild-Ver­größerung zeigte indi­vidu­elle Gesichter von Menschen.

Ein Arbeitsstuhl bewegte sich quer durch den Raum. Eine Vase explodierte – von innen heraus.

Ein EMF-Mess­gerät blieb bei der Zahl „666“ stehen.

Die Geis­ter, so glaubten die Nava­jo, waren Echos all des Lei­ds, das an diesem Ort geschehen war: Zwang­sum­sied­lun­gen, Mis­shand­lun­gen, Gewalt, Tod. „Ich bin hier, vergesst mich nicht“ – so deutete Stan­ley diese Zeichen.

Big­foot, fliegende Steine und Münzen aus dem Nichts

Und dann ergab es sich, dass Stan­ley und sein Kol­lege selb­st das erste Mal einem Big­foot begeg­neten. Es war 2014 hoch oben in den Chus­ka Moun­tains auf 2.400 Metern Höhe. Eine Fam­i­lie hat­te sich bei den Rangern gemeldet und angegeben, dass es in der Gegend seit sehr langer Zeit Big­foot-Sich­tun­gen gäbe.

Dort, wo der Wind kaum hör­bar ist und selb­st die Vögel zu lauschen scheinen, beobachteten er und sein Kol­lege Tony eine dun­kle, mas­sige Gestalt zwi­schen den Kiefern. Über 1,80 Meter groß, muskulös, am ganzen Kör­p­er dicht behaart. Es bewegte sich aufrecht – langsam, fast gelassen – und schien sie mit wachen Augen zu mustern.

Dann, so plöt­zlich wie es erschienen war, ver­schwand es ins Nichts. Kein Laut, keine weit­ere Spur mehr. Nur Stille.

Am näch­sten Tag kehrten die Ranger an dem Ort zurück. Kaum nah­men sie die Suche wieder auf, krachte ein Stein wenige Meter neben ihnen in den Boden. Dann ein weit­er­er. Und noch einer – jed­er aus einer anderen Rich­tung, präzise gewor­fen, aber immer so, dass sie unver­let­zt blieben. Es war, als wolle jemand sagen: „Lasst uns in Ruhe. Ihr seid hier nicht willkommen.“

Als sie schließlich das Auto starteten, pras­sel­ten Münzen auf die Wind­schutzscheibe – zehn Stück, alle mit der Kopf­seite nach oben. Es war heller Mit­tag. Kein Wind, kein Men­sch weit und breit. 

Auch bei Stan­ley zuhause fie­len immer wieder Münzen aus dem Nichts auf den Küchen­tisch oder dem Boden. Und jet­zt passierte dieses Phänomen in Zusam­men­hang mit Big­foot. Was um alles in der Welt hat­te Big­foot mit diesem selt­samen Münzen-Spuk zu tun?

Stan­ley fand keine Antwort. Aber er wusste, dass er Zeuge von etwas gewor­den war, das sich jen­seits unser­er gewohn­ten Real­ität abspielte.

Vielle­icht, so ver­mutete er, war Big­foot ein Wesen, das zwi­schen Dimen­sio­nen wech­seln kon­nte – sicht­bar nur für einen kurzen Augen­blick, dann wieder ver­schwun­den in einer Welt, die neben unser­er existiert.

Dinè Bahane‘ — Die Schöp­fungs­geschichte der Navajo

Stan­ley Mil­ford erzählt die Fälle nicht nur als mod­erne Polizeiberichte, son­dern verknüpft sie mit den ural­ten Geschicht­en seines Volkes.

Die Dinè Bahane‘, die Schöp­fungs­geschichte der Nava­jo, spricht von früheren Wel­ten, von Mon­stern, die von den helden­haften Zwill­ings­brüdern, den Hero Twins besiegt wur­den, und von Wesen, die zwi­schen Dimen­sio­nen wan­dern. Für Mil­ford sind diese Geschicht­en mehr als Mytholo­gie – sie schla­gen eine Brücke zwi­schen den alten Leg­en­den und der heuti­gen Erlebenswelt der Nava­jo – und bieten zugle­ich eine Erk­lärungsebene für das, was Men­schen auch heute noch erleben.

Canyon de Chelly in der Navajo-Reservation - verbunden mit der Schöpfungsgeschichte der Navajo

Canyon de Chelly in der Nava­jo-Reser­va­tion — ver­bun­den mit der Schöp­fungs­geschichte der Navajo

Stan­leys The­o­rie: Viele dieser Phänomene kön­nten mit dem Wech­sel zwi­schen Dimen­sio­nen zu tun haben. Big­foot, UFOs, Skin­walk­er – vielle­icht sind sie Besuch­er aus einer anderen Ebene der Realität.

Zwi­schen Nava­jo-Mythen und europäis­chen Märchenwesen

Am Ende des Buch­es baut Stan­ley Mil­ford eine Brücke von den Leg­en­den der Nava­jos zu den alten Märchen und Leg­en­den Europas.

  • Ein europäis­ch­er Wer­wolf erin­nert doch sehr an einen Skin­walk­er. Bei­de sind Men­schen, die sich in Tiere ver­wan­deln kön­nen – zum Schreck­en ihrer Umgebung.
  • Und sind die „Lit­tle Peo­ple“ der Ure­in­wohn­er nicht nah ver­wandt mit unseren Zwer­gen oder Kobold­en? Die Geschicht­en in unseren Märchen und Sagen klin­gen erstaunlich ähn­lich: kleine Wesen, die manch­mal helfen, manch­mal Unsinn treiben, manch­mal Übeltäter bestrafen.
  • Auch bei uns gibt es die Leg­en­den von Hex­en, Magiern und “Medi­z­in­män­nern”, die Zauberkräfte haben und das Schick­sal bee­in­flussen kön­nen, wie der Druide Merlin.
  • Und “Nessie”, das „Mon­ster von Loch Ness“ oder der Lind­wurm von Kärn­ten? Auch in unseren Leg­en­den gibt es Erzäh­lun­gen von Mon­stern und Ungeheuern.

Es scheint, als gäbe es eine Art uni­verselle Folk­lore, die über Kon­ti­nente hin­weg diesel­ben Bilder her­vor­bringt: Riesen, Geis­ter, Feen und Wesen, die halb Men­sch, halb Tier sind.

Haben wir den Zugang verloren?

Die Apachen und Nava­jo leben mit dieser Wirk­lichkeit, dass die Gren­ze zwi­schen den Wel­ten manch­mal durch­läs­sig ist. Für sie ist das Para­nor­male nicht etwas, worüber man lacht, son­dern Teil ihrer Erlebenswelt.

Und wir? Haben wir uns so sehr an die wis­senschaftliche Welt­sicht gewöh­nt, dass wir nur glauben, was mess­bar und beweis­bar ist? Aber bedeutet das, dass die andere Welt nicht existiert? Oder nur, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen können?

Vielle­icht sind unsere Sinne stumpf gewor­den. Vielle­icht haben wir das „magis­che Sehen“ ver­lernt, das unsere Vor­fahren noch hat­ten. Sind unsere “Fabel­we­sen” aus­ge­wan­dert, haben Sie sich in die weni­gen unberührten Regio­nen in Europa zurück­ge­zo­gen? Oder vielle­icht existieren diese Wesen noch immer neben uns – nur jen­seits unser­er Wahrnehmung.

Mehr als Spukgeschicht­en – Ein Buch zwi­schen Mythen und Wirklichkeit

The Para­nor­mal Ranger ist kein Fan­ta­sy-Roman. Es ist das Pro­tokoll eines Mannes, der gel­ernt hat, zuzuhören, wenn Men­schen von Din­gen bericht­en, die ihnen Angst machen.

Stan­ley Mil­ford Jr. begeg­net diesen Men­schen mit Respekt, er nimmt ihre Erzäh­lun­gen ernst, er unter­sucht sie, wie er jeden anderen Fall auch unter­sucht hätte. Und er verknüpft sie mit den alten Geschicht­en seines Volkes, den Dinè Bahane‘, die von Mon­stern und Helden, von Bal­ance und Dishar­monie in der Welt erzählen .

Seine wichtig­ste Botschaft: Das Para­nor­male ist keine Glaubens­frage. Es ist Teil der Wirk­lichkeit vie­ler Men­schen. Wer es erlebt hat, weiß, dass es real ist.

Eine Ein­ladung, die Welt neu zu entdecken

Für mich ist The Para­nor­mal Ranger ein faszinieren­des Buch, das uns ein Tor öffnet – nicht nur in die Welt der Nava­jo, son­dern auch in unsere eigene Vergangenheit.

Es erin­nert uns daran, dass auch wir Märchen und Mythen hat­ten, die vielle­icht ein­mal mehr waren als erfun­dene Geschicht­en. Dass auch in Europa Wesen­heit­en, Geis­ter und Dämo­nen Teil der Lebenswelt waren.

Vielle­icht haben wir den Zugang ver­loren. Vielle­icht schauen wir ein­fach nicht mehr genau hin.

Stan­ley Mil­ford Jr. lädt uns ein, die Augen wieder zu öff­nen – nicht um in Angst zu leben, son­dern mit Respekt und Staunen auch das Unerk­lär­liche wahrzunehmen – und unvor­ein­genom­men zu erforschen.

Und genau darin liegt für mich die Stärke dieses Buch­es: Es ist span­nend wie ein Kri­mi, gruselig wie eine Geis­tergeschichte und tief ver­wurzelt in einer Kul­tur, die uns zeigt, dass die Welt größer, geheimnisvoller und magis­ch­er ist, als wir es uns erträu­men lassen.

Ange­li­ka Froech


Stan­ley Mil­ford Jr.: The Para­nor­mal Ranger: A Nava­jo Investigator’s Search for the Unex­plained; Ver­lag: William Mor­row Paper­backs, Okto­ber 2025


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