Wer war dieser Tom Jeffords, dem die Apachen vertrauten und der mit Häuptling Cochise Frieden schließen konnte?
In “Tom Jeffords (Teil 1) – Vom Captain zum Scout im Apachen-Land” habe ich sein Leben bis zur Begegnung und Freundschaft mit Cochise beleuchtet.
In diesem Artikel erfahren wir mehr über den Frieden ohne Vertrag mit den Chiricahua-Apachen, die Zeit der Chiricahua-Reservation, ihr Ende und die Zeit danach.
Hier geht es zum 1. Teil der zweiteiligen Tom Jeffords-Reihe:
➪ Tom Jeffords (Teil 1) – Vom Captain zum Scout im Apachen-Land
Inhaltsverzeichnis
- Vorausgehende Friedensverhandlungen ohne Erfolg
- Oliver Otis Howard — der einarmige christliche General
- Reise in die Stronghold der Apachen
- Friedensgespräche mit Cochise
- Frieden ohne Vertrag nach 10 Jahren Krieg
- Tom setzt auf Vertrauen statt Kontrolle
- Die Reservation wächst und der Frieden hält
- Im Das Problem mit Mexiko
- Landwirtschaft, Schule — Projekte, die scheitern
- Cochise stirbt
- Die Fußstapfen von Cochise sind zu groß für Taza
- Jeffords und die Chiricahua-Apachen sollen weg
- Die Chiricahua-Apachen werden umgesiedelt
- Naiche wird Häuptling, Geronimo an seiner Seite
- Prospektor, Unternehmer, Debuty Sheriff, Cowboy
- Scout und Friedensstifter — Zeit seines Lebens
- Die letzten Jahre
6. Der Frieden mit Cochise
Vorausgehende Friedensverhandlungen ohne Erfolg
Es gab verschiedene Bemühungen, mit Cochise Frieden zu schließen, doch keine davon hatte Erfolg. Meist konnte Cochise nicht gefunden werden oder er weigerte sich, mit Regierungsvertretern zu sprechen. Bei den wenigen Friedensverhandlungen, die es gab, misstraute Cochise den Abgesandten.
Im Februar 1869 traf Lieutenant Guthrie und Major Perry zusammen mit über 60 Soldaten Cochise zu Friedensverhandlungen im Sulphur Valley zwischen den Dragoon- und den Chiricahua-Mountains.
Guthrie beschrieb Cochise als ungefähr 50 Jahre alt, 1 Meter 90 Zentimeter groß, sehr muskulös, mit milden, markanten Gesichtszügen und einer Hakennase.
Die Gespräche verliefen gut, aber ein Friedensschluss blieb aus.
In den 1870iger Jahren war geplant, die Chokonen-Apachen unter Cochise in eine Reservation im Tularosa Valley in New Mexico zu übersiedeln. Bei einem Treffen, dass Jeffords organisierte, lehnte Cochise ab.
Das Tal von Tularosa lag hoch in den Bergen, es war dort kalt, der Winter kurz und das Tal war bekannt für eine Mückenplage. Das war also keine Alternative für die Chokonen, deren Heimat im südlichen Arizona lag.
Der Druck wuchs. Die Regierung in Washington wollte endlich Ruhe in Arizona.
Präsident Ulysses S. Grant schickte seinen Vertrauten, General Oliver Otis Howard – einen einarmigen Kriegshelden, bekannt für seine christlich-humanistische Haltung. Nach wochenlanger ergebnisloser Suche nach Cochise erfuhr Howard, dass es da einen Mann gebe, der Cochise finden konnte und dem der Häuptling vertraute: Tom Jeffords.
Howard und Jeffords begegneten sich in Fort Tularosa in New Mexico. Der General beschrieb Jeffords später als groß, kräftig, gut aussehend, mit leuchtend blauen Augen und einem langen, hellroten Bart.
Howard fragte ihn direkt: „Können Sie mich zu Cochise bringen?“
Jeffords sah ihm einige Zeit direkt in die Augen und antwortete schließlich: „Ja, General. Aber Sie müssen ohne Soldaten gehen.“
Ohne zu zögern, stimmte Howard zu.
Oliver Otis Howard — der einarmige christliche General
Präsident Ulysses S. Grant schickte seinen Vertrauten, General Oliver Otis Howard – einen einarmigen Kriegshelden, bekannt für seine christlich-humanistische Haltung. Nach wochenlanger ergebnisloser Suche nach Cochise erfuhr Howard, dass es da einen Mann gebe, der Cochise finden konnte und dem der Häuptling vertraute: Tom Jeffords.
Howard und Jeffords begegneten sich in Fort Tularosa in New Mexico. Der General beschrieb Jeffords später als groß, kräftig, gut aussehend, mit leuchtend blauen Augen und einem langen, hellroten Bart.
Howard fragte ihn direkt: „Können Sie mich zu Cochise bringen?“
Jeffords sah ihm einige Zeit direkt in die Augen und antwortete schließlich: „Ja, General. Aber Sie müssen ohne Soldaten gehen.“
Ohne zu zögern stimmte Howard zu.
Reise in die Stronghold der Apachen
Und so brach die kleine Gruppe auf Pferden und mit Packtieren auf:
Jeffords, Howard, sein Adjutant Joseph Sladen, der Übersetzer Jacob May, der Versorgungshelfer Zebina Streeter – und Chie, ein junger Apache, Neffe von Cochise, der sie führen sollte.
Sie ritten durch Silver City, den unsicheren Doubtful Canyon, den berüchtigten Apache Pass, weiter nach Fort Bowie und schließlich tief hinein in die Dragoon Mountains – in das versteckte Tal, das als „Cochise Stronghold“ bekannt wurde.
Umgeben von Granitfelsen, Eichen und Bachläufen war dies das Rückzugsgebiet des Apachenführers – ein Ort, von dem aus man die Ebenen bis nach Tucson überblicken konnte. Kein Soldat konnte sich nähern, ohne dass Cochises Späher es zwei Tagesritte im Voraus bemerkten.

Denkmal für Häuptling Cochise in der Cochise Stronghold in den Dragoon Mountains
Friedensgespräche mit Cochise
Als die kleine Gruppe das Camp von Cochise erreichte, war „Er“ nicht da. Der richtige Name eines Apachen war nur dem engeren Familien- und Freundeskreis bekannt und durfte nur bei speziellen Gelegenheiten ausgesprochen werden. Es war üblich, Spitznamen zu verwenden. Der Name Cochise ist ein Spitzname wie auch „Geronimo“ oder „Mangas Coloradas“ oder „Victorio“. In Cochises Fall wurde sogar sein Spitzname von den Apachen nicht gerne ausgesprochen.
Bald darauf kam der Häuptling, begleitet von seiner Familie. Als er Jeffords sah, stieg er ab und umarmte ihn herzlich. Jeffords drehte sich zum General um und sagte: „General, das ist der Mann. Das ist er.“
Cochise begrüßte Howard mit einem schlichten „Buenos días.“ und fragte: „Warum sind Sie hier?“
Howard antwortete: „Der Präsident hat mich geschickt, um Frieden zwischen dir und den Weißen zu schließen.“
Cochise zögerte nicht:
„Niemand will das mehr als ich. Ich habe keine Schwierigkeiten gemacht, seit ich von Canada Alamosa zurück bin. Aber ich bin arm, meine Pferde sind schwach, ich habe nur noch wenige. Ich hätte die Straße nach Tucson überfallen können – das habe ich nicht.“
Und dann formulierte er seinen Vorschlag:
„Gib mir Apache Pass für mein Volk und ich werde die Straße nach Tucson beschützen. Ich werde dafür sorgen, dass niemand von uns die Weißen bedroht.“
Der General willigte ein.
Frieden ohne Vertrag nach 10 Jahren Krieg
Cochise sagte, er brauche einige Tage Zeit, um seine Unterhäuptlinge einzuberufen und sie vom Friedensplan zu überzeugen.
Howard ritt mit Chie als ortskundigen Führer nach Fort Bowie, um die Nachricht zu überbringen: Der Frieden mit den Apachen war nun endlich in greifbarer Nähe.
Als Howard und Chie von Fort Bowie zurückkamen, waren die anderen Häuptlinge noch nicht eingetroffen. So verbrachte der General zehn Tage im Camp von Cochise und ihr gegenseitiges Vertrauen wuchs.
Als schließlich alle Häuptlinge im Camp waren, versammelte Cochise sie auf einer Lichtung auf der westlichen Seite der Dragoon Mountains. Die Männer saßen im Kreis, außen die Frauen. Es erklang ein gemeinsamer Gesang, tief und vielstimmig, der sich mehrere Minuten lang zu einem einzigen Ton steigerte und dann verstummte.
Cochise stand auf und sagte:
„Die Geister haben beschlossen, dass Indianer und Weiße Brot zusammen essen sollten.“
Die anderen Häuptlinge stimmten zu. Damit war der Frieden beschlossen. Er wurde nie schriftlich fixiert. Cochise unterschrieb nichts. Und doch hielt er und seine Apachen Wort.
So bekamen die Chokonen-Apachen im Oktober 1872 ein eigenes Reservat – im Herzen ihres traditionellen Landes, zwischen den Dragoon Mountains, der Grenze zu New Mexico und bis hinunter nach Mexiko.
Es war klar, dass das Land zu klein war, damit sich die Chiricahuas selbst mit Wild versorgen konnten. Cochise sagte zu, dass seine Leute sich mit Landwirtschaft beschäftigen würden. Howard versprach, dass die Apachen mit allem versorgt werfen würden, bis sie sich selbst versorgen könnten.
Tom Jeffords wurde zum offiziellen Leiter der neuen Reservation. Doch mehr als ein Amt übernahm er damit Verantwortung für ein Versprechen, für eine Beziehung, die auf Respekt und Vertrauen gegründet war. Und für eine Zukunft, die – zumindest für kurze Zeit – friedlicher war als die zeit davor und danach.
7. Leiter der Chiricahua-Reservation
Tom setzt auf Vertrauen statt Kontrolle
Tom war kein Mann für den Schreibtisch. Und doch wurde er im Herbst 1872 zum offiziellen „Indian Agent“ der neu geschaffenen Chiricahua-Reservation ernannt – auf ausdrücklichen Wunsch von Cochise und General Howard.
Leiter einer Reservation zu sein bedeutete viel Verantwortung, eine lausige Bezahlung, wenig Macht und noch weniger Rückhalt von Seiten der Regierung.
Die Bedingungen waren bescheiden. Der erste Sitz der Agentur war ein kleines Lehmhaus bei der Sulphur Ranch – kaum drei mal drei Meter groß. In diesem Raum lebte Jeffords mit zwei Mitarbeiter. Hier lagerten auch die Vorräte: Mehl, Mais, Decken, Werkzeuge, Töpfe. Vieles musste draußen aufbewahrt werden – dem Wetter ausgesetzt, Wind und Staub zum Trotz.
Etwa alle zwei Wochen wurden Rationen verteilt. Jeffords vertraute darauf, dass die Apachen sie gerecht weitergaben. Er behandelte die Apachen ebenbürtig, er achtete ihre Kultur und verließ sich auf ihr Wort.
Er verlangte nicht, wie in anderen Reservationen üblich, das verpflichtende Tragen von Erkennungsmarken oder die Abgabe ihrer Waffen. Er schrieb ihnen auch nicht vor, wo sie zu leben hatten. Sie blieben, wie sie waren: Jäger, Wanderer, Gemeinschaften in Bewegung. Jeffords zählte sie dort, wo er sie traf – in ihren Camps, auf der Jagd, bei den Zeremonien.
Tom etablierte keine Indianerpolizei – anders als etwa in San Carlos –, sondern rekrutierte situativ Freiwillige. Er wollte keine bevorzugten Gruppen, keine künstlichen Hierarchien.
Wenn Diebesgut auftauchte, ritt er selbst los, begleitet von Apachen, konfiszierte es und brachte es zurück. Er bestrafte nicht. Er hoffte auf Einsicht.
Die Reservation wächst und der Frieden hält
Geplant war die Reservation für die rund 350 Chokonen-Apachen von Cochise.
Doch bald kamen auch Nednhi aus Mexiko hinzu, angeführt von Häuptling Juh, begleitet von Geronimo. Bedonkohe und Chihenne aus der ungeliebten Tularosa-Reservation und einige White Mountain-Apachen aus Arizona stießen ebenfalls dazu.
Schließlich waren es über 1.100 Apachen, die Jeffords versorgte – mit einem Budget, das für weniger als ein Drittel von ihnen vorgesehen war.
Während regierungsseitig dies beklagt wurde, argumentierte Jeffords, dass die Apachen immerhin keine Überfälle mehr machen, solange sie auf der Reservation versorgt werden.
Tom musste improvisieren, überbrücken, borgen. Als der Fleischlieferant Henry Hooker nicht mehr bezahlt wurde und die Lieferung einstellen wollte, sprang Jeffords mit eigenem Geld ein. Immer wieder. Über Monate hinweg erhielt er selbst kein Gehalt – und dennoch blieb er.
Im Oktober 1873 kam der Indianerbeauftragte William Vandever zur Inspektion. Er fand keine Unregelmäßigkeiten in den Büchern, aber er war nicht einverstanden mit Jeffords’ Führungsstil. Zu wenig Kontrolle, zu wenig Härte, fand er. Dass Jeffords sich auf das Wort der Apachen verließ, stieß auf Misstrauen. Vandever forderte schließlich dessen Absetzung.
Doch Tom blieb zunächst im Amt. Die Ergebnisse sprachen für sich: Während der gesamten Zeit, in der Jeffords die Reservation leitete, gab es in Arizona keine Apachenüberfälle.
Das Problem mit Mexiko
Dass die Apachen ihre Rationen mit Überfällen in Mexiko aufbesserten – das war ein anderes Thema.
General Howard hatte Cochise deutlich gemacht, dass der Friedensvertrag nur zwischen den Apachen und den Vereinigten Staaten bestand, nicht aber mit Mexiko.
Der Hass zwischen Mexikaner und Apachen hatte eine lange Geschichte. Die Apachen sahen die Mexikaner als brutale Eindringlinge, die ihr Land stahlen, ihre Frauen und Kinder raubten, sie in die Sklaverei verkauften und die Männer töteten. Mexiko zahlte hohen Prämien auf Apachenskalps und so manche skrupellosen Abenteurer machten gutes Geld mit Indianerskalps.
Landwirtschaft, Schule — Projekte, die scheitern
Im Sommer 1873 verlegte er die Agentur nach San Simeon Cienega – in ein fruchtbares, aber malariaverseuchtes Tal.
Er ließ die Apachen Wälder roden, Bewässerungskanäle graben und Gärten anlegen.
Die Apachen erkrankten, innerhalb von vier Monaten starben vier Kinder. Das Landwirtschaftsprojekt musste abgebrochen werden.
Tom verlegte die Agentur in den Pinery Canyon, südlich von Apache Pass in den Chiricahua Mountains .
Er versuchte, eine Schule in der Reservation einzurichten – doch dazu ihm fehlten Mittel, Lehrer, Unterstützung.
Cochise stirbt
Als Cochise im Juni 1874 im Sterben lag, war Jeffords einen Tag vor seinem Tod bei ihm.
Der Häuptling fragte ihn:
„Bruder, denkst du, dass wir uns wiedersehen werden?“
Tom zögerte. Cochise sagte:
„Ich habe viel darüber nachgedacht, seit ich hier liege. Ich denke, wir werden uns wiedersehen.“
„Wo?“, fragte Tom. Cochise zeigte gegen Himmel:
„Ich weiß nicht. Irgendwo da oben.“

Sonnenuntergang bei der Cochise Stronghold in den Dragoon Mountains mit Blick ins Tal
Cochise wurde nach dem Brauch der Apachen in Anwesenheit nur der engsten Familie beerdigt – in seiner schönsten Decke, mit seinen Waffen, begleitet von seinem Lieblingspferd.
Das Grab wurde unkenntlich gemacht. Jeffords war der einzige Weiße, der wusste, wo es lag. Er nahm das Geheimnis mit in seinen Tod.
Mit dem Tod von Cochise verlor Tom seinen wichtigsten Verbündeten – und die Reservation verlor ihren inneren Halt.
8. Das Ende der Chiricahua-Reservation
Die Fußstapfen von Cochise sind zu groß für Taza
Als Nachfolger von Cochise wurde Taza gewählt, sein älterer Sohn.
Taza hatte nicht das Charisma und die Autorität seines Vaters. Es gelang ihm nicht, die Gefolgschaft seines Vaters in gleichem Maße hinter sich zu vereinen.
Im Frühjahr 1876 eskalierte ein Streit zwischen seinen Leuten und jenen von Häuptling Eskinya, bei dem Apachen starben. Alkohol war im Spiel, als Pionsenay aus der Gruppe von Eskinya und Geronimo einen Händler und dessen Mitarbeiter ermordeten. Tags darauf stahl Pionsenay mit vier Kriegern vier Pferde, verwundeten einen Rancher und tötete einen anderen.
Soldaten von Fort Bowie rückten — unterstützt von Jeffords und Häuptling Taza — aus, um nach den Tätern zu suchen. Es kam zu einem Schusswechsel, aber die Täter konnten nicht gefasst werden.
Jeffords und die Chiricahua-Apachen sollen weg
Auf dem Land der Chiricahua-Apachen wurden Bodenschätze und fruchtbares Land vermutet. Man brauchte einen Vorwand, um den Apachen ihre Heimat zu entreißen.
Die Gegner von Jeffords – in der Regierung wie in der Presse – wurden lauter.
Er wurde in Zeitungsartikeln als „Indianerfreund“ beschimpft, er galt als zu nachsichtig, zu vertrauensselig.
Der einflussreiche John Wasson, Herausgeber des Tucson Citizen, griff ihn persönlich an, nannte ihn einen Verbrecher und veröffentlichte eine Liste vermeintlicher Vergehen. Jeffords verfasste eine sachliche Gegendarstellung, deren Veröffentlichung Wasson verhinderte. Stattdessen erschien sie im Prescott Miner.
Auch Gouverneur Safford stellte sich gegen Tom. Man warf ihm vor, fremde Apachengruppen – insbesondere die Bedonkohe und Chihenne aus Tularosa – zu beherbergen, obwohl die Reservation eigentlich nur für die Chokonen vorgesehen war. Dass Jeffords damit möglicherweise Überfälle auf Siedler verhinderte, interessierte nicht mehr.
In Washington wuchs der Druck, das „Apache-Problem“ endgültig zu lösen – und zwar zentralisiert, mit Kontrolle, Zählung, Marken, Disziplin.
Die Chiricahua-Apachen werden umgesiedelt
Im Mai 1876 ordnete Präsident Grant per Executive Order die Schließung der Chiricahua-Reservation an, Jeffords wurde entlassen.
Die Apachen sollten fortan unter die Aufsicht von John P. Clum gestellt werden – dem jungen, ambitionierten Leiter der San Carlos Reservation. Clum war ein Mann mit anderen Vorstellungen. Er glaubte an Kontrolle, an Ordnung und Unterordnung.
Im Sommer 1876 half Jeffords und Häuptling Taza bei der friedlichen Umsiedlung von rund 300 Chokonen – von ihrem Heimatland in die San Carlos Reservation.
Die Nednhi unter Juh flohen zurück nach Mexiko, die Chihenne und Bedonkohe zogen zurück in die Tularosa-Reservation.
Naiche wird Häuptling, Geronimo an seiner Seite

Häuptling Naiche, Sohn von Cochise
Im Herbst reiste Häuptling Taza mit einer Delegation nach Washington D.C., um den Präsidenten zu sprechen.
Taza starb in Washington – offiziell an einer Lungenentzündung. Unter den Apachen kursierte das Gerücht, er sei vergiftet worden. Er wurde in Washington begraben.
Als neuer Anführer der Chokonen wurde Tazas jüngerer Bruder Naiche gewählt, damals kaum dreißig Jahre alt.
An seiner Seite: der Medizinmann Geronimo – einflussreich, charismatisch und unberechenbar.
9. Die Zeit danach
Prospektor, Unternehmer, Debuty Sheriff, Cowboy
Tom Jeffords übernahm wieder Tätigkeiten als Prospektor, er betrieb Minen in der Umgebung von Tombstone, in Bisbee, bei Fort Huachuca und sogar in Sonora, Mexiko.
Für eine Zeit war er Deputy Sheriff in Tombstone.
1879 erhielt er einen Vertrag mit der Stadt Tucson zur Wasserversorgung – ein ambitioniertes Projekt mit artesischen Brunnen, das jedoch scheiterte.
Im selben Jahr beantragte er eine Lizenz für den Handel mit Indianern bei Apache Pass, parallel bewarb er sich für die Position eines Sutlers in Fort Huachuca. Ein Sutler versorgte ein Fort mit Waren aller Art und betrieb eine Kantine, in der sich die Soldaten amüsierten, Karten spielten und Alkohol tranken. Ein Sutler-Laden war ein sehr einträgliches Geschäft.
1880 bewarb er sich auch als Leiter der San Carlos Reservation. Er erhielt schließlich die Lizenz als Sutler in Fort Huachuca und musste seine anderen beiden Anträge zurückziehen. Ein neues Gesetz verbot es, Händler in einem Fort zu sein und gleichzeitig Handel mit Indianern zu betreiben.
Dieses Geschäft lief zunächst gut, bis es 1884 zu unbegründeten Anschuldigungen und seiner Ablösung kam. Andere hatten es auf das lukrative Geschäft abgesehen.
1888 eröffnete Jeffords mit Captain Allen C. Bernard ein kleines Museum mit Apachen-Artefakten in Tucson.
In den 1870er- und 80er-Jahren spendete er großzügig an Schulen in Tucson. Es war ihm nicht gelungen, eine Schule in der Reservation zu etablieren, vielleicht war dies für ihn ein Ausgleich.
1891 wurde er als möglicher Kandidat für das Amt des Sheriffs ins Gespräch gebracht – sowohl für Pima County als auch für Cochise County. Es blieb bei Gesprächen.
Einige Jahre später, um 1889, arbeitete er mit fast sechzig Jahren als Cowboy auf einer Ranch. Er züchtete Pferde und bildete sie aus. Diese Arbeit hatte er schon früher gemacht, als er die Armee mit Reit- und Packtieren versorgt hatte.
Scout und Friedensstifter — Zeit seines Lebens
Die Regierung griff immer wieder auf Tom zurück: als Scout, Übersetzer, Indianerexperte und Friedensstifter.
1879 und 1880 begleitete er Archie McIntosh und Captain A.S. Haskell nach Mexico, um Juh, Geronimo und die Nednai zu überreden, in die San Carlos-Reservation zu übersiedeln.
Der Erfolg der Mission ist vor allem dem Respekt und Vertrauen zuzuschreiben, das Häuptling Juh gegenüber Jeffords hatte.
Tom wurde auch mehrfach geholt, um die unruhigen Chiricahua und die Chihenne in der San Carlos Reservation zu besänftigen. Manchmal gelang dies, manchmal nicht. Die Apachen respektierten und vertrauten ihm auch weiterhin.
Die letzten Jahre
Tom war wohlhabend zu nennen, wahrscheinlich war er niemals wirklich reich, aber er konnte sich ein gutes Leben leisten.
Als er über 60 Jahre alt wurde, zog er sich vom öffentlichen Leben zurück.

Thomas Jefferson Jeffords, 1895
Er baute ein komfortables Heim bei den Owl Head Buttes – eine markante Felsformation am Fuß der Tortolita Mountains, rund 50 Kilometer nördlich von Tucson. Dort betrieb er einige kleinere Minen, beschäftigte mexikanische Arbeiter, lebte zurückgezogen.
Tom Jeffords starb am 19. Februar 1914 im 82. Lebensjahr. Er wurde auf dem Friedhof Evergreen Cemetery in Tucson begraben.
Auf seinem Grabstein ist zu lesen:
Thomas J. Jeffords
1832 — 1914
Freund und Blutsbruder von Cochise
Friedensstifter mit feindlichen Apachen
Nachwort: Was bleibt von Tom Jeffords?
Entgegen dem Film „Der gebrochene Pfeil“ überraschte Tom Jeffords Cochise nicht mit seinem Ritt alleine in die Bergfestung von Cochise, um den Häuptling zu bitten, seine Postreiter unbehelligt zu lassen.
Er heiratete keine Apachin.
Er war auch nicht der Blutsbruder von Cochise — so eine Bezeichnung oder eine Zeremonie gab es bei den Apachen nicht.
Aber Cochise sprach Tom als Bruder an. Eine Auszeichnung, die Apachen nur jenen zu Teil werden lassen, die sie wie einen engen Verwandten betrachten.

Broken Arrow / Der gebrochene Pfeil — Filmplakat
Tom war nicht nur mit Cochise, sondern auch mit anderen Apachen und Apachen-Häuptlingen befreundet, weit über den Tod von Cochise hinaus.
Er heiratete nie, war aber auch kein Einzelgänger. Er war gern gesehener Gast bei Festen und Tanzabenden und war beliebt und geschätzt bei seinen Freunden.
Ein Zeitgenosse sagte über ihn:
„Er kam immer mit einer Gruppe von Freunden und war immer willkommen.“
Was Tom Jeffords auszeichnete, war nicht nur sein Mut und seine Abenteuerlust, sondern vor allem seine Fähigkeit, Brücken zu bauen, wo andere nur Gräben sahen.
Als Scout ritt er allein durch feindliches Gebiet, weil er wusste, wie man sich bewegt – nicht nur geografisch, sondern menschlich.
Als Indianeragent führte er eine Reservation mit Respekt und auf Augenhöhe, nicht mit Repressalien.
Als Freund von Cochise bewies er, dass echte Verständigung selbst unter Feinden möglich ist – wenn man bereit ist, dem Gegner Respekt zu zeigen und wirklich hinzuhören.
Auf seinem Grabstein finden sich immer wieder Medizinbündel — die Apachen haben ihn bis heute nicht vergessen und halten sein Andenken in Ehren.
Weiterführende Links:
Zur Geschichte der Anfangsjahre der San Carlos Apache Indian Reservation:
➪ San Carlos Apache Reservation – die frühen Jahre 1872 bis 1886
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➪ Apachen heute
Literaturverzeichnis:
Arnold, Elliot: Blood Brother; New York: Hawthorne Books, 1947
Ball, Eve: Indeh: An Apache Odyssey; Provo, Utah: Brigham Young University, 1980
Hocking, Doug: Tom Jeffords — Friend of Cochise; TwoDot, 2017
Sweeney, Edwin R.: From Cochise to Geronimo: The Chiricahua Apaches, 1874–1886; University of Oklahoma Press, 2012
Thrapp, Dan L.: The Conquest of the Apacheria; Norman: University of Oklahoma Press, 1988