August 22, 2025

Tom Jeffords (Teil 2) – Freundschaft und Frieden mit Cochise

Wer war dieser Tom Jef­fords, dem die Apachen ver­traut­en und der mit Häuptling Cochise Frieden schließen konnte?

In “Tom Jef­fords (Teil 1) – Vom Cap­tain zum Scout im Apachen-Land” habe ich sein Leben bis zur Begeg­nung und Fre­und­schaft mit Cochise beleuchtet.

In diesem Artikel erfahren wir mehr über den Frieden ohne Ver­trag mit den Chir­ic­ahua-Apachen, die Zeit der Chir­ic­ahua-Reser­va­tion, ihr Ende und die Zeit danach.

Hier geht es zum 1. Teil der zweit­eili­gen Tom Jef­fords-Rei­he:
➪ Tom Jef­fords (Teil 1) – Vom Cap­tain zum Scout im Apachen-Land

Inhaltsverze­ich­nis 

  • Voraus­ge­hende Friedensver­hand­lun­gen ohne Erfolg
  • Oliv­er Otis Howard — der ein­armige christliche General
  • Reise in die Strong­hold der Apachen
  • Friedens­ge­spräche mit Cochise
  • Frieden ohne Ver­trag nach 10 Jahren Krieg
  • Tom set­zt auf Ver­trauen statt Kontrolle
  • Die Reser­va­tion wächst und der Frieden hält
  • Im Das Prob­lem mit Mexiko
  • Land­wirtschaft, Schule — Pro­jek­te, die scheitern
  • Cochise stirbt
  • Die Fußstapfen von Cochise sind zu groß für Taza
  • Jef­fords und die Chir­ic­ahua-Apachen sollen weg 
  • Die Chir­ic­ahua-Apachen wer­den umgesiedelt
  • Naiche wird Häuptling, Geron­i­mo an sein­er Seite
  • Prospek­tor, Unternehmer, Debu­ty Sher­iff, Cowboy
  • Scout und Friedenss­tifter — Zeit seines Lebens
  • Die let­zten Jahre

6. Der Frieden mit Cochise

Voraus­ge­hende Friedensver­hand­lun­gen ohne Erfolg

Es gab ver­schiedene Bemühun­gen, mit Cochise Frieden zu schließen, doch keine davon hat­te Erfolg. Meist kon­nte Cochise nicht gefun­den wer­den oder er weigerte sich, mit Regierungsvertretern zu sprechen. Bei den weni­gen Friedensver­hand­lun­gen, die es gab, mis­straute Cochise den Abgesandten.

Im Feb­ru­ar 1869 traf Lieu­tenant Guthrie und Major Per­ry zusam­men mit über 60 Sol­dat­en Cochise zu Friedensver­hand­lun­gen im Sul­phur Val­ley zwi­schen den Dra­goon- und den Chiricahua-Mountains.

Guthrie beschrieb Cochise als unge­fähr 50 Jahre alt, 1 Meter 90 Zen­time­ter groß, sehr muskulös, mit milden, markan­ten Gesicht­szü­gen und einer Hakennase.

Die Gespräche ver­liefen gut, aber ein Friedenss­chluss blieb aus.

In den 1870iger Jahren war geplant, die Choko­nen-Apachen unter Cochise in eine Reser­va­tion im Tularosa Val­ley in New Mex­i­co zu über­siedeln. Bei einem Tre­f­fen, dass Jef­fords organ­isierte, lehnte Cochise ab. 

Das Tal von Tularosa lag hoch in den Bergen, es war dort kalt, der Win­ter kurz und das Tal war bekan­nt für eine Mück­en­plage. Das war also keine Alter­na­tive für die Choko­nen, deren Heimat im südlichen Ari­zona lag.

Der Druck wuchs. Die Regierung in Wash­ing­ton wollte endlich Ruhe in Arizona. 

Präsi­dent Ulysses S. Grant schick­te seinen Ver­traut­en, Gen­er­al Oliv­er Otis Howard – einen ein­armi­gen Kriegshelden, bekan­nt für seine christlich-human­is­tis­che Hal­tung. Nach wochen­langer ergeb­nis­los­er Suche nach Cochise erfuhr Howard, dass es da einen Mann gebe, der Cochise find­en kon­nte und dem der Häuptling ver­traute: Tom Jeffords.

Howard und Jef­fords begeg­neten sich in Fort Tularosa in New Mex­i­co. Der Gen­er­al beschrieb Jef­fords später als groß, kräftig, gut ausse­hend, mit leuch­t­end blauen Augen und einem lan­gen, hell­roten Bart. 

Howard fragte ihn direkt: „Kön­nen Sie mich zu Cochise bringen?“

Jef­fords sah ihm einige Zeit direkt in die Augen und antwortete schließlich: „Ja, Gen­er­al. Aber Sie müssen ohne Sol­dat­en gehen.“

Ohne zu zögern, stimmte Howard zu.

Oliv­er Otis Howard — der ein­armige christliche General

Präsi­dent Ulysses S. Grant schick­te seinen Ver­traut­en, Gen­er­al Oliv­er Otis Howard – einen ein­armi­gen Kriegshelden, bekan­nt für seine christlich-human­is­tis­che Hal­tung. Nach wochen­langer ergeb­nis­los­er Suche nach Cochise erfuhr Howard, dass es da einen Mann gebe, der Cochise find­en kon­nte und dem der Häuptling ver­traute: Tom Jeffords.

Howard und Jef­fords begeg­neten sich in Fort Tularosa in New Mex­i­co. Der Gen­er­al beschrieb Jef­fords später als groß, kräftig, gut ausse­hend, mit leuch­t­end blauen Augen und einem lan­gen, hell­roten Bart. 

Howard fragte ihn direkt: „Kön­nen Sie mich zu Cochise bringen?“

Jef­fords sah ihm einige Zeit direkt in die Augen und antwortete schließlich: „Ja, Gen­er­al. Aber Sie müssen ohne Sol­dat­en gehen.“

Ohne zu zögern stimmte Howard zu.

Reise in die Strong­hold der Apachen

Und so brach die kleine Gruppe auf Pfer­den und mit Pack­tieren auf: 

Jef­fords, Howard, sein Adju­tant Joseph Sladen, der Über­set­zer Jacob May, der Ver­sorgung­shelfer Zebi­na Streeter – und Chie, ein junger Apache, Neffe von Cochise, der sie führen sollte.

Sie rit­ten durch Sil­ver City, den unsicheren Doubt­ful Canyon, den berüchtigten Apache Pass, weit­er nach Fort Bowie und schließlich tief hinein in die Dra­goon Moun­tains – in das ver­steck­te Tal, das als „Cochise Strong­hold“ bekan­nt wurde.

Umgeben von Gran­it­felsen, Eichen und Bach­läufen war dies das Rück­zugs­ge­bi­et des Apachen­führers – ein Ort, von dem aus man die Ebe­nen bis nach Tuc­son überblick­en kon­nte. Kein Sol­dat kon­nte sich näh­ern, ohne dass Cochis­es Späher es zwei Tages­ritte im Voraus bemerkten.

Denkmal für Häuptling Cochise in der Cochise Stronghold, Dragoon Mountains

Denkmal für Häuptling Cochise in der Cochise Strong­hold in den Dra­goon Mountains

Friedens­ge­spräche mit Cochise

Als die kleine Gruppe das Camp von Cochise erre­ichte, war „Er“ nicht da. Der richtige Name eines Apachen war nur dem engeren Fam­i­lien- und Fre­un­deskreis bekan­nt und durfte nur bei speziellen Gele­gen­heit­en aus­ge­sprochen wer­den. Es war üblich, Spitz­na­men zu ver­wen­den. Der Name Cochise ist ein Spitz­name wie auch „Geron­i­mo“ oder „Man­gas Col­oradas“ oder „Vic­to­rio“. In Cochis­es Fall wurde sog­ar sein Spitz­name von den Apachen nicht gerne ausgesprochen.

Bald darauf kam der Häuptling, begleit­et von sein­er Fam­i­lie. Als er Jef­fords sah, stieg er ab und umarmte ihn her­zlich. Jef­fords drehte sich zum Gen­er­al um und sagte: „Gen­er­al, das ist der Mann. Das ist er.“

Cochise begrüßte Howard mit einem schlicht­en „Buenos días.“ und fragte: „Warum sind Sie hier?“

Howard antwortete: „Der Präsi­dent hat mich geschickt, um Frieden zwi­schen dir und den Weißen zu schließen.“

Cochise zögerte nicht:

„Nie­mand will das mehr als ich. Ich habe keine Schwierigkeit­en gemacht, seit ich von Cana­da Alam­osa zurück bin. Aber ich bin arm, meine Pferde sind schwach, ich habe nur noch wenige. Ich hätte die Straße nach Tuc­son über­fall­en kön­nen – das habe ich nicht.“

Und dann for­mulierte er seinen Vorschlag:

„Gib mir Apache Pass für mein Volk und ich werde die Straße nach Tuc­son beschützen. Ich werde dafür sor­gen, dass nie­mand von uns die Weißen bedroht.“

Der Gen­er­al willigte ein. 

Frieden ohne Ver­trag nach 10 Jahren Krieg

Cochise sagte, er brauche einige Tage Zeit, um seine Unter­häuptlinge einzu­berufen und sie vom Frieden­s­plan zu überzeugen.

Howard ritt mit Chie als ort­skundi­gen Führer nach Fort Bowie, um die Nachricht zu über­brin­gen: Der Frieden mit den Apachen war nun endlich in greif­bar­er Nähe.

Als Howard und Chie von Fort Bowie zurück­ka­men, waren die anderen Häuptlinge noch nicht eingetrof­fen. So ver­brachte der Gen­er­al zehn Tage im Camp von Cochise und ihr gegen­seit­iges Ver­trauen wuchs.

Als schließlich alle Häuptlinge im Camp waren, ver­sam­melte Cochise sie auf einer Lich­tung auf der west­lichen Seite der Dra­goon Moun­tains. Die Män­ner saßen im Kreis, außen die Frauen. Es erk­lang ein gemein­samer Gesang, tief und viel­stim­mig, der sich mehrere Minuten lang zu einem einzi­gen Ton steigerte und dann verstummte. 

Cochise stand auf und sagte:

„Die Geis­ter haben beschlossen, dass Indi­an­er und Weiße Brot zusam­men essen sollten.“ 

Die anderen Häuptlinge stimmten zu. Damit war der Frieden beschlossen. Er wurde nie schriftlich fix­iert. Cochise unter­schrieb nichts. Und doch hielt er und seine Apachen Wort.

So beka­men die Choko­nen-Apachen im Okto­ber 1872 ein eigenes Reser­vat – im Herzen ihres tra­di­tionellen Lan­des, zwi­schen den Dra­goon Moun­tains, der Gren­ze zu New Mex­i­co und bis hin­unter nach Mexiko. 

Es war klar, dass das Land zu klein war, damit sich die Chir­ic­ahuas selb­st mit Wild ver­sor­gen kon­nten. Cochise sagte zu, dass seine Leute sich mit Land­wirtschaft beschäfti­gen wür­den. Howard ver­sprach, dass die Apachen mit allem ver­sorgt wer­fen wür­den, bis sie sich selb­st ver­sor­gen könnten.

Tom Jef­fords wurde zum offiziellen Leit­er der neuen Reser­va­tion. Doch mehr als ein Amt über­nahm er damit Ver­ant­wor­tung für ein Ver­sprechen, für eine Beziehung, die auf Respekt und Ver­trauen gegrün­det war. Und für eine Zukun­ft, die – zumin­d­est für kurze Zeit – friedlich­er war als die zeit davor und danach.


7. Leit­er der Chiricahua-Reservation

Tom set­zt auf Ver­trauen statt Kontrolle

Tom war kein Mann für den Schreibtisch. Und doch wurde er im Herb­st 1872 zum offiziellen „Indi­an Agent“ der neu geschaf­fe­nen Chir­ic­ahua-Reser­va­tion ernan­nt – auf aus­drück­lichen Wun­sch von Cochise und Gen­er­al Howard. 

Leit­er einer Reser­va­tion zu sein bedeutete viel Ver­ant­wor­tung, eine lausige Bezahlung, wenig Macht und noch weniger Rück­halt von Seit­en der Regierung. 

Die Bedin­gun­gen waren beschei­den. Der erste Sitz der Agen­tur war ein kleines Lehmhaus bei der Sul­phur Ranch – kaum drei mal drei Meter groß. In diesem Raum lebte Jef­fords mit zwei Mitar­beit­er. Hier lagerten auch die Vor­räte: Mehl, Mais, Deck­en, Werkzeuge, Töpfe. Vieles musste draußen auf­be­wahrt wer­den – dem Wet­ter aus­ge­set­zt, Wind und Staub zum Trotz.

Etwa alle zwei Wochen wur­den Ratio­nen verteilt. Jef­fords ver­traute darauf, dass die Apachen sie gerecht weit­er­gaben. Er behan­delte die Apachen eben­bür­tig, er achtete ihre Kul­tur und ver­ließ sich auf ihr Wort.

Er ver­langte nicht, wie in anderen Reser­va­tio­nen üblich, das verpflich­t­ende Tra­gen von Erken­nungs­marken oder die Abgabe ihrer Waf­fen. Er schrieb ihnen auch nicht vor, wo sie zu leben hat­ten. Sie blieben, wie sie waren: Jäger, Wan­der­er, Gemein­schaften in Bewe­gung. Jef­fords zählte sie dort, wo er sie traf – in ihren Camps, auf der Jagd, bei den Zeremonien.

Tom etablierte keine Indi­an­er­polizei – anders als etwa in San Car­los –, son­dern rekru­tierte sit­u­a­tiv Frei­willige. Er wollte keine bevorzugten Grup­pen, keine kün­stlichen Hierarchien. 

Wenn Diebesgut auf­tauchte, ritt er selb­st los, begleit­et von Apachen, kon­fiszierte es und brachte es zurück. Er bestrafte nicht. Er hoffte auf Einsicht.

Die Reser­va­tion wächst und der Frieden hält

Geplant war die Reser­va­tion für die rund 350 Choko­nen-Apachen von Cochise.

Doch bald kamen auch Nednhi aus Mexiko hinzu, ange­führt von Häuptling Juh, begleit­et von Geron­i­mo. Bedonko­he und Chi­henne aus der ungeliebten Tularosa-Reser­va­tion und einige White Moun­tain-Apachen aus Ari­zona stießen eben­falls dazu. 

Schließlich waren es über 1.100 Apachen, die Jef­fords ver­sorgte – mit einem Bud­get, das für weniger als ein Drit­tel von ihnen vorge­se­hen war. 

Während regierungs­seit­ig dies beklagt wurde, argu­men­tierte Jef­fords, dass die Apachen immer­hin keine Über­fälle mehr machen, solange sie auf der Reser­va­tion ver­sorgt werden.

Tom musste impro­visieren, über­brück­en, bor­gen. Als der Fleis­chliefer­ant Hen­ry Hook­er nicht mehr bezahlt wurde und die Liefer­ung ein­stellen wollte, sprang Jef­fords mit eigen­em Geld ein. Immer wieder. Über Monate hin­weg erhielt er selb­st kein Gehalt – und den­noch blieb er.

Im Okto­ber 1873 kam der Indi­aner­beauf­tragte William Van­de­v­er zur Inspek­tion. Er fand keine Unregelmäßigkeit­en in den Büch­ern, aber er war nicht ein­ver­standen mit Jef­fords’ Führungsstil. Zu wenig Kon­trolle, zu wenig Härte, fand er. Dass Jef­fords sich auf das Wort der Apachen ver­ließ, stieß auf Mis­strauen. Van­de­v­er forderte schließlich dessen Absetzung.

Doch Tom blieb zunächst im Amt. Die Ergeb­nisse sprachen für sich: Während der gesamten Zeit, in der Jef­fords die Reser­va­tion leit­ete, gab es in Ari­zona keine Apachenüberfälle.

Das Prob­lem mit Mexiko 

Dass die Apachen ihre Ratio­nen mit Über­fällen in Mexiko auf­besserten – das war ein anderes Thema. 

Gen­er­al Howard hat­te Cochise deut­lich gemacht, dass der Friedensver­trag nur zwi­schen den Apachen und den Vere­inigten Staat­en bestand, nicht aber mit Mexiko. 

Der Hass zwi­schen Mexikan­er und Apachen hat­te eine lange Geschichte. Die Apachen sahen die Mexikan­er als bru­tale Ein­drin­glinge, die ihr Land stahlen, ihre Frauen und Kinder raubten, sie in die Sklaverei verkauften und die Män­ner töteten. Mexiko zahlte hohen Prämien auf Apachen­skalps und so manche skru­pel­losen Aben­teur­er macht­en gutes Geld mit Indianerskalps.

Land­wirtschaft, Schule — Pro­jek­te, die scheitern

Im Som­mer 1873 ver­legte er die Agen­tur nach San Sime­on Ciene­ga – in ein frucht­bares, aber malar­i­a­verseucht­es Tal. 

Er ließ die Apachen Wälder roden, Bewässerungskanäle graben und Gärten anlegen. 

Die Apachen erkrank­ten, inner­halb von vier Monat­en star­ben vier Kinder. Das Land­wirtschaft­spro­jekt musste abge­brochen werden.

Tom ver­legte die Agen­tur in den Pin­ery Canyon, südlich von Apache Pass in den Chir­ic­ahua Mountains .

Er ver­suchte, eine Schule in der Reser­va­tion einzuricht­en – doch dazu ihm fehlten Mit­tel, Lehrer, Unterstützung. 

Cochise stirbt

Als Cochise im Juni 1874 im Ster­ben lag, war Jef­fords einen Tag vor seinem Tod bei ihm.

Der Häuptling fragte ihn:
„Brud­er, denkst du, dass wir uns wieder­se­hen werden?“

Tom zögerte. Cochise sagte:
„Ich habe viel darüber nachgedacht, seit ich hier liege. Ich denke, wir wer­den uns wieder­se­hen.“
„Wo?“, fragte Tom. Cochise zeigte gegen Him­mel:
„Ich weiß nicht. Irgend­wo da oben.“

Sonnenuntergang bei der Cochise Stronghold in den Dragoon Mountains mit Blick ins Tal

Son­nenun­ter­gang bei der Cochise Strong­hold in den Dra­goon Moun­tains mit Blick ins Tal

Cochise wurde nach dem Brauch der Apachen in Anwe­sen­heit nur der eng­sten Fam­i­lie beerdigt – in sein­er schön­sten Decke, mit seinen Waf­fen, begleit­et von seinem Lieblingspferd.

Das Grab wurde unken­ntlich gemacht. Jef­fords war der einzige Weiße, der wusste, wo es lag. Er nahm das Geheim­nis mit in seinen Tod.

Mit dem Tod von Cochise ver­lor Tom seinen wichtig­sten Ver­bün­de­ten – und die Reser­va­tion ver­lor ihren inneren Halt. 


8. Das Ende der Chiricahua-Reservation

Die Fußstapfen von Cochise sind zu groß für Taza 

Als Nach­fol­ger von Cochise wurde Taza gewählt, sein älter­er Sohn.

Taza hat­te nicht das Charis­ma und die Autorität seines Vaters. Es gelang ihm nicht, die Gefol­gschaft seines Vaters in gle­ichem Maße hin­ter sich zu vereinen.

Im Früh­jahr 1876 eskalierte ein Stre­it zwi­schen seinen Leuten und jenen von Häuptling Eskinya, bei dem Apachen star­ben. Alko­hol war im Spiel, als Pio­nse­nay aus der Gruppe von Eskinya und Geron­i­mo einen Händler und dessen Mitar­beit­er ermorde­ten. Tags darauf stahl Pio­nse­nay mit vier Kriegern vier Pferde, ver­wun­de­ten einen Ranch­er und tötete einen anderen.

Sol­dat­en von Fort Bowie rück­ten — unter­stützt von Jef­fords und Häuptling Taza — aus, um nach den Tätern zu suchen. Es kam zu einem Schuss­wech­sel, aber die Täter kon­nten nicht gefasst werden.

Jef­fords und die Chir­ic­ahua-Apachen sollen weg 

Auf dem Land der Chir­ic­ahua-Apachen wur­den Boden­schätze und frucht­bares Land ver­mutet. Man brauchte einen Vor­wand, um den Apachen ihre Heimat zu entreißen.

Die Geg­n­er von Jef­fords – in der Regierung wie in der Presse – wur­den lauter. 

Er wurde in Zeitungsar­tikeln als „Indi­an­er­fre­und“ beschimpft, er galt als zu nach­sichtig, zu vertrauensselig. 

Der ein­flussre­iche John Was­son, Her­aus­ge­ber des Tuc­son Cit­i­zen, griff ihn per­sön­lich an, nan­nte ihn einen Ver­brech­er und veröf­fentlichte eine Liste ver­meintlich­er Verge­hen. Jef­fords ver­fasste eine sach­liche Gegen­darstel­lung, deren Veröf­fentlichung Was­son ver­hin­derte. Stattdessen erschien sie im Prescott Min­er.

Auch Gou­verneur Saf­ford stellte sich gegen Tom. Man warf ihm vor, fremde Apachen­grup­pen – ins­beson­dere die Bedonko­he und Chi­henne aus Tularosa – zu beherber­gen, obwohl die Reser­va­tion eigentlich nur für die Choko­nen vorge­se­hen war. Dass Jef­fords damit möglicher­weise Über­fälle auf Siedler ver­hin­derte, inter­essierte nicht mehr.

In Wash­ing­ton wuchs der Druck, das „Apache-Prob­lem“ endgültig zu lösen – und zwar zen­tral­isiert, mit Kon­trolle, Zäh­lung, Marken, Disziplin.

Die Chir­ic­ahua-Apachen wer­den umgesiedelt

Im Mai 1876 ord­nete Präsi­dent Grant per Exec­u­tive Order die Schließung der Chir­ic­ahua-Reser­va­tion an, Jef­fords wurde entlassen. 

Die Apachen soll­ten for­t­an unter die Auf­sicht von John P. Clum gestellt wer­den – dem jun­gen, ambi­tion­ierten Leit­er der San Car­los Reser­va­tion. Clum war ein Mann mit anderen Vorstel­lun­gen. Er glaubte an Kon­trolle, an Ord­nung und Unterordnung. 

Im Som­mer 1876 half Jef­fords und Häuptling Taza bei der friedlichen Umsied­lung von rund 300 Choko­nen – von ihrem Heimat­land in die San Car­los Reservation. 

Die Nednhi unter Juh flo­hen zurück nach Mexiko, die Chi­henne und Bedonko­he zogen zurück in die Tularosa-Reservation.

Naiche wird Häuptling, Geron­i­mo an sein­er Seite

Häuptling Naiche, Sohn von Cochise

Häuptling Naiche, Sohn von Cochise

Im Herb­st reiste Häuptling Taza mit einer Del­e­ga­tion nach Wash­ing­ton D.C., um den Präsi­den­ten zu sprechen.

Taza starb in Wash­ing­ton – offiziell an einer Lun­genentzün­dung. Unter den Apachen kur­sierte das Gerücht, er sei vergiftet wor­den. Er wurde in Wash­ing­ton begraben.

Als neuer Anführer der Choko­nen wurde Tazas jün­ger­er Brud­er Naiche gewählt, damals kaum dreißig Jahre alt.

An sein­er Seite: der Medi­z­in­mann Geron­i­mo – ein­flussre­ich, charis­ma­tisch und unberechenbar. 


9. Die Zeit danach

Prospek­tor, Unternehmer, Debu­ty Sher­iff, Cowboy

Tom Jef­fords über­nahm wieder Tätigkeit­en als Prospek­tor, er betrieb Minen in der Umge­bung von Tomb­stone, in Bis­bee, bei Fort Huachu­ca und sog­ar in Sono­ra, Mexiko. 

Für eine Zeit war er Deputy Sher­iff in Tombstone.

1879 erhielt er einen Ver­trag mit der Stadt Tuc­son zur Wasserver­sorgung – ein ambi­tion­iertes Pro­jekt mit arte­sis­chen Brun­nen, das jedoch scheiterte. 

Im sel­ben Jahr beantragte er eine Lizenz für den Han­del mit Indi­an­ern bei Apache Pass, par­al­lel bewarb er sich für die Posi­tion eines Sut­lers in Fort Huachu­ca. Ein Sut­ler ver­sorgte ein Fort mit Waren aller Art und betrieb eine Kan­tine, in der sich die Sol­dat­en amüsierten, Karten spiel­ten und Alko­hol tranken. Ein Sut­ler-Laden war ein sehr ein­träglich­es Geschäft.

1880 bewarb er sich auch als Leit­er der San Car­los Reser­va­tion. Er erhielt schließlich die Lizenz als Sut­ler in Fort Huachu­ca und musste seine anderen bei­den Anträge zurückziehen. Ein neues Gesetz ver­bot es, Händler in einem Fort zu sein und gle­ichzeit­ig Han­del mit Indi­an­ern zu betreiben.

Dieses Geschäft lief zunächst gut, bis es 1884 zu unbe­grün­de­ten Anschuldigun­gen und sein­er Ablö­sung kam. Andere hat­ten es auf das lukra­tive Geschäft abgesehen.

1888 eröffnete Jef­fords mit Cap­tain Allen C. Bernard ein kleines Muse­um mit Apachen-Arte­fak­ten in Tucson. 

In den 1870er- und 80er-Jahren spendete er großzügig an Schulen in Tuc­son. Es war ihm nicht gelun­gen, eine Schule in der Reser­va­tion zu etablieren, vielle­icht war dies für ihn ein Ausgleich.

1891 wurde er als möglich­er Kan­di­dat für das Amt des Sher­iffs ins Gespräch gebracht – sowohl für Pima Coun­ty als auch für Cochise Coun­ty. Es blieb bei Gesprächen.

Einige Jahre später, um 1889, arbeit­ete er mit fast sechzig Jahren als Cow­boy auf einer Ranch. Er züchtete Pferde und bildete sie aus. Diese Arbeit hat­te er schon früher gemacht, als er die Armee mit Reit- und Pack­tieren ver­sorgt hatte.

Scout und Friedenss­tifter — Zeit seines Lebens

Die Regierung griff immer wieder auf Tom zurück: als Scout, Über­set­zer, Indi­aner­ex­perte und Friedensstifter.

1879 und 1880 begleit­ete er Archie McIn­tosh und Cap­tain A.S. Haskell nach Mex­i­co, um Juh, Geron­i­mo und die Ned­nai zu überre­den, in die San Car­los-Reser­va­tion zu übersiedeln. 

Der Erfolg der Mis­sion ist vor allem dem Respekt und Ver­trauen zuzuschreiben, das Häuptling Juh gegenüber Jef­fords hatte.

Tom wurde auch mehrfach geholt, um die unruhi­gen Chir­ic­ahua und die Chi­henne in der San Car­los Reser­va­tion zu besän­fti­gen. Manch­mal gelang dies, manch­mal nicht. Die Apachen respek­tierten und ver­traut­en ihm auch weiterhin.

Die let­zten Jahre

Tom war wohlhabend zu nen­nen, wahrschein­lich war er niemals wirk­lich reich, aber er kon­nte sich ein gutes Leben leisten.

Als er über 60 Jahre alt wurde, zog er sich vom öffentlichen Leben zurück.

Thomas Jefferson Jeffords, 1895

Thomas Jef­fer­son Jef­fords, 1895

Er baute ein kom­fort­a­bles Heim bei den Owl Head Buttes – eine markante Fels­for­ma­tion am Fuß der Tor­toli­ta Moun­tains, rund 50 Kilo­me­ter nördlich von Tuc­son. Dort betrieb er einige kleinere Minen, beschäftigte mexikanis­che Arbeit­er, lebte zurückgezogen.

Tom Jef­fords starb am 19. Feb­ru­ar 1914 im 82. Leben­s­jahr. Er wurde auf dem Fried­hof Ever­green Ceme­tery in Tuc­son begraben.

Auf seinem Grab­stein ist zu lesen:

Thomas J. Jef­fords
1832 — 1914
Fre­und und Bluts­brud­er von Cochise
Friedenss­tifter mit feindlichen Apachen


Nach­wort: Was bleibt von Tom Jeffords?

Ent­ge­gen dem Film „Der gebroch­ene Pfeil“ über­raschte Tom Jef­fords Cochise nicht mit seinem Ritt alleine in die Bergfes­tung von Cochise, um den Häuptling zu bit­ten, seine Postre­it­er unbe­hel­ligt zu lassen.

Er heiratete keine Apachin.

Er war auch nicht der Bluts­brud­er von Cochise — so eine Beze­ich­nung oder eine Zer­e­monie gab es bei den Apachen nicht.

Aber Cochise sprach Tom als Brud­er an. Eine Ausze­ich­nung, die Apachen nur jenen zu Teil wer­den lassen, die sie wie einen engen Ver­wandten betrachten. 

Broken Arrow / Der gebrochene Pfeil - Filmplakat

Bro­ken Arrow / Der gebroch­ene Pfeil — Filmplakat

Tom war nicht nur mit Cochise, son­dern auch mit anderen Apachen und Apachen-Häuptlin­gen befre­un­det, weit über den Tod von Cochise hinaus.

Er heiratete nie, war aber auch kein Einzel­gänger. Er war gern gese­hen­er Gast bei Fes­ten und Tan­z­aben­den und war beliebt und geschätzt bei seinen Freunden. 

Ein Zeitgenosse sagte über ihn: 

Er kam immer mit einer Gruppe von Fre­un­den und war immer willkom­men.“

Was Tom Jef­fords ausze­ich­nete, war nicht nur sein Mut und seine Aben­teuer­lust, son­dern vor allem seine Fähigkeit, Brück­en zu bauen, wo andere nur Gräben sahen. 

Als Scout ritt er allein durch feindlich­es Gebi­et, weil er wusste, wie man sich bewegt – nicht nur geografisch, son­dern menschlich. 

Als Indi­an­er­a­gent führte er eine Reser­va­tion mit Respekt und auf Augen­höhe, nicht mit Repressalien. 

Als Fre­und von Cochise bewies er, dass echte Ver­ständi­gung selb­st unter Fein­den möglich ist – wenn man bere­it ist, dem Geg­n­er Respekt zu zeigen und wirk­lich hinzuhören.

Auf seinem Grab­stein find­en sich immer wieder Medi­z­in­bün­del — die Apachen haben ihn bis heute nicht vergessen und hal­ten sein Andenken in Ehren.


Weit­er­führende Links:

Zur Geschichte der Anfangs­jahre der San Car­los Apache Indi­an Reser­va­tion:
➪ San Car­los Apache Reser­va­tion – die frühen Jahre 1872 bis 1886

Du möcht­est wis­sen, wie die Apachen heute leben? Dann wird dich dieser Artikel inter­essieren:
Apachen heute

Lit­er­aturverze­ich­nis:

Arnold, Elliot: Blood Broth­er; New York: Hawthorne Books, 1947

Ball, Eve: Indeh: An Apache Odyssey; Pro­vo, Utah: Brigham Young Uni­ver­si­ty, 1980

Hock­ing, Doug: Tom Jef­fords — Friend of Cochise; TwoDot, 2017

Sweeney, Edwin R.: From Cochise to Geron­i­mo: The Chir­ic­ahua Apach­es, 1874–1886; Uni­ver­si­ty of Okla­homa Press, 2012

Thrapp, Dan L.: The Con­quest of the Apacheria; Nor­man: Uni­ver­si­ty of Okla­homa Press, 1988


Rubrik:

Apache


Weitere Artikel:

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