Weiter geht die Reise - über die weiten Ebenen Arizonas und New Mexicos bis nach El Paso – mitten durch die Apacheria, einer Landschaft voller Gegensätze und Erinnerungen – zwischen Kolibris, Wirbelstürmen, Cowboy-Läden und einer Stadt, die sich urplötzlich wie ein Labyrinth vor uns auftut. Und am Ende heißt es Abschied nehmen – für zwei Apache-Medizinmänner beginnt in Mexiko eine besondere Reise, für mich: der Weg ins Mescalero-Reservat.
Im ersten Teil dieser Reiseerzählung ging es um unseren Start in der San Carlos Apache Reservation – ein Morgen voller Gelassenheit, Pollen, heiliger Berge und alter Geschichten.
Du hast Teil 1 der Reise verpasst? Hier ist der Link:
➪ Reise nach El Paso (Teil 1) — Start mit Hindernissen in San Carlos
Im Land der Verzauberung
Die Landschaft hat sich geändert. Die Riesenkakteen — genannt Saguaros — sind verschwunden. Hier dominieren Bäume und Sträucher, aber auch viel landwirtschaftlich bestellte Äcker sind links und rechts neben der Straße zu sehen.
Diese Gegend von Arizona wird „Sky-Islands“ genannt, da die Ebene wie das Meer wirkt und die Berge wie Inseln aus der Ebene aufragen.

Sky Islands — hier: Steins Peak am Eingang zum Doubtful Canyon
Häuptling hat kein Alter
Meine zwei Begleiter tauschen den neuesten Dorftratsch aus. Wer gerade mit wem, was und warum. Sie lachen und scherzen.
Irgendwann fragt mich der Jüngere, wie alt ich eigentlich bin. Ich nenne mein Alter. Dann fragt er den Älteren. Von den Rücksitzen ertönt eine tiefe, sonore Stimme, der Ältere imitiert das abgehakte schlechte Indianer-Englisch aus den alten Western:
„Häuptling spricht nicht über Alter. Häuptling hat kein Alter.“
Wir lachen herzlich.
Willkommen im Land der Verzauberung
Nach diesem heiteren Einstieg überqueren wir die Grenze nach New Mexico.
Ein großes Schild begrüßt uns: „Welcome to New Mexico – Land of Enchantment“ — Willkommen in New Mexico — Land der Verzauberung.
Darauf prangt das Zia-Symbol – ein rotes Sonnenzeichen mit vier Strahlen in vier Richtungen. Es stammt vom Pueblo-Volk der Zia und steht für die vier Himmelsrichtungen, die vier Jahreszeiten, die vier Tageszeiten und die vier Lebensphasen. Heute ist es das Wahrzeichen auf der Flagge von New Mexico.

Flagge von New Mexico — Land of Enchantment
Der Ältere sagt, wir sollen in Lordsburg halten. Dort kenne er ein gutes mexikanisches Lokal, perfekt für unser Mittagessen.
Das kommt mir gelegen – der Tank ist fast leer. Ich erinnere mich an die Worte des Mitarbeiters der Autovermietung, als ich ihm meine geplante Route zeigte:
„Schau, dass der Tank immer mindestens halb gefüllt ist. Es kann passieren, dass du 100 Meilen lang keine Tankstelle findest.“
Kolibris und Burger
Ich parke vor dem Lokal neben mannshohen blühenden Büschen, steige aus – und sehe im Augenwinkel etwas Buntes flattern. Ein blau-grüner Schmetterling? Nein – ein Kolibri! Und noch einer. Und noch einer. Winzig wie Schmetterlinge, mit langen spitzen Schnäbeln, schwirren sie blitzschnell von Blüte zu Blüte. Ihre Farben schillern metallisch in der Sonne – grün, blau, rot.
Bisher habe ich Kolibris nur in Zoos gesehen, nie in der freien Natur — ich bin fasziniert von diesen wunderhübschen winzigen emsigen Vögelchen.
Der Jüngere ist ausgestiegen und sieht, dass ich wie angewurzelt dastehe. „Was ist los?“, fragt er.
Ich zeige auf die flatternden Vögel. „Hummingbirds!“, flüstere ich.
Er zuckt mit den Schultern. Für ihn sind sie so alltäglich wie bei uns Spatzen. Für mich: ein kleines Wunder.
Schweren Herzens reiße ich mich los – meine Begleiter warten schon vor dem Restaurant.
Das Lokal ist groß, der Ältere wählt einen Tisch in einem Nebenraum. Die Speisekarte bietet – wie fast überall – eine Variation an Burgern, einige mexikanische Gerichte und eine große Auswahl an Frühstückskombinationen. Die beiden nehmen Burger, ich bestelle ein Gemüseomelett. Dazu gibt’s hausgemachten Eistee.
Auf die hier unerlässliche Frage der Kellnerin: „Wie möchten Sie Ihre Kartoffeln?“ bestelle ich die Rösti-Variante als Beilage.
Das Essen ist gut, frisch und üppig.
Wiedervereinigung der Apachen — nur für Apachen
Der Ältere fragt mich, woher ich komme, wie der Jüngere und ich uns kennengelernt haben, und was ich noch vorhabe. Der Jüngere erzählt, dass er mich eingeladen hatte, mit nach Mexiko zu kommen, um bei der neuerlichen Zusammenkunft von Apachen aus den USA und Mexiko dabei zu sein. Er habe das mit Älteren aus der „Mexico-Connection“ besprochen – sie hätten gemeint, ich sei willkommen.
Ich hatte lange überlegt: Wollte ich fünf Stunden südlich der Grenze, weitab von jeder Stadt, auf einer Hazienda mit 200 Apachen lagern? Was habe ich bei der „Wiedervereinigung der Apachen“ als wohl einzige Weiße zu suchen?
Schließlich hatte ich mich entschieden: „Ich danke für die Ehre, eingeladen zu sein. Aber ich werde nicht mitkommen. Das ist nur für Apachen, das ist nicht für mich.“
Der Jüngere ist über diese Entscheidung noch immer ein wenig erzürnt. Nach seiner Rückkehr wird er mir erzählen, dass die Ältesten meine aus Respekt getroffene Entscheidung zu schätzen wussten.
Dijin — Heilige Männer und Heilige Frauen der Apachen
Diese Kraft ist eine göttliche Energie, die in allem wohnt: in Menschen, Tieren, Pflanzen, Bergen, Flüssen, Steinen. Manche Wesen, Orte oder Erscheinungen der Natur tragen mehr davon in sich als andere – sie gelten dann als heilig.
Die Kraft selbst ist neutral — sie kann zum Guten oder zum Bösen genutzt werden. Wer mehr von dieser Kraft in sich trägt, kann ein Dijin werden – abgeleitet von Diji. Übersetzt wird dies meist mit Medizinmann oder Medizinfrau – doch diese Begriffe erfassen nur einen Teil der Rolle. Passender wäre: Heiliger Mann oder Heilige Frau.
Am Anfang steht meist ein Erweckungserlebnis. Der Jüngere wurde vom Blitz getroffen – ein Ereignis, das bei den Apachen oft als Auslöser dieser spirituellen Kraft gilt.
Spürt jemand, dass er mehr von dieser Kraft in sich trägt, wird er getestet. Fällt der Test positiv aus, dann lehrt ein erfahrener Dijin ihn oder sie, diese Gabe im Sinne der Apache-Traditionen einzusetzen. Jeder Dijin hat dabei seinen ganz eigenen Mix an Fähigkeiten. Er verwendet die ihm gegebene Kraft selbstlos – zum Wohl von Menschen, Tieren oder der Natur.
Wer sie zum Negativen nutzt, wird als „Witch“ bezeichnet – oder mit dem spanischen Begriff Bruxo, was beides so viel wie Hexe oder Hexer bedeutet. Solche Menschen können mit ihrer Energie Flüche aussprechen, Menschen oder Tiere manipulieren, sie krank machen oder sogar töten.
Es gibt keine „Apache-Medizinmann-Schule“, die du absolvierst und nach bestandener Abschluss-Prüfung die Lizenz zum Medizinmann hast. Wenn du die Gabe hast, dann melden sich Lehrer und Mentoren, um dich zu lehren und zu begleiten. Wenn du die Gabe nicht hast, ist dir dieser Weg verschlossen.
Diskutiere nicht mit Häuptling
Der Ältere tritt als Erster an die Kasse. Mit seiner leisen Stimme sagt er: „Alles zusammen.“
Der Jüngere protestiert sofort: „Das ist doch nicht nötig! Du musst wirklich nicht alles zahlen – das ist mir gar nicht recht.“ Dann schaut er hilfesuchend zu mir.
Ich lege meine Stimme tiefer, kneife die Augen zusammen und ahme den Älteren mit gebrochenem Englisch nach, wie in einem Western: „Diskutiere nicht mit Häuptling!“
Beide lachen herzlich und der Ältere begleicht die Rechnung.
Natur, die überwältigt – oder auch nicht
Wir biegen auf die Interstate 10 ab – genauer gesagt: auf die I‑10 East, Richtung Osten.
Meine beiden Begleiter sind still. Ich höre gleichmäßiges Atmen – sie scheinen ein Nickerchen zu machen.
In der Ferne erscheint eine riesige weiß-orangefarbene Wolke. Oder ist das Nebel? Ungewöhnlich – bisher war das Wetter klar und sonnig.
Warum ist der Nebel orange – obwohl rundherum die Sonne scheint? Im Rückspiegel sehe ich, dass der Ältere schläft. Auch der Jüngere hat die Augen geschlossen.
Ich fahre weiter – allein mit diesem seltsamen Anblick.
Die Landschaft hat sich verändert: karge Büsche, verschiedene Yuccas, Kakteen mit großen tellerartigen Trieben, und Cholla-Kakteen.
Eine Cholla-Art heißt „Teddybär-Cholla“, weil die Triebe an kuschelige Teddybären erinnern. Die Chollas sind jedoch heimtückische Biester: hast du eine davon versehentlich berührt, bekommt du die feinen Stacheln schwer wieder los.

Blühende Cholla-Kakteen
Der seltsame Nebel ist nun auf meiner linken Seite. Das Weiß-Orange ist in ein Weiß-Rot übergegangen – und er bewegt sich. Es wirkt, als würde sich die Luft selbst verfärben.
Ich höre leises Schnarchen.
Auf der I‑10 sind nur wenige Autos unterwegs. Und niemand scheint sich über das Schauspiel zu wundern. Das beruhigt mich – und macht mich zugleich noch neugieriger.
Der Nebel kommt näher. Das Rot wird intensiver. Die Luft um uns färbt sich ein, der Himmel wirkt wie durch ein rotes Glas gesehen.
Dann sehe ich im Zentrum des Nebels so etwas wie eine rotglühende Feuersäule, die sich spiralförmig in den Himmel schraubt.
Mein Begleiter rührt sich, ich bin erleichtert. „Schau – was ist das? Ein riesiges Feuer?“
Er beugt sich vor. „Wirbelwind“, sagt er lakonisch.
„Warum ist er so rot?“
„Die rote Erde. Sie wird aufgewirbelt.“
„Ist das gefährlich?“ Ich denke an Filme, in denen Autos und Häuser durch die Luft fliegen.
Er zuckt die Schultern.
„Manchmal. Aber meist nicht.“
Die Sonne verdunkelt sich, die Luft leuchtet orange-rot. Ich erkenne das Zentrum des Wirbelsturms: eine sich drehende Säule aus roter Erde – lodernd wie Feuer. Was für ein Schauspiel! Wäre ich allein unterwegs, ich wäre längst ausgestiegen und hätte Fotos gemacht.
Aber mein Begleiter scrollt auf seinem Mobiltelefon. Wir fahren weiter – durch den rot schimmernden Nebel, bis er sich auflöst und die Sonne wieder klar am Himmel steht.
Nichts verrät, dass es in der Nähe einen Wirbelsturm gibt, der vielleicht Autos oder Häuser durch die Luft trägt.
Aber vielleicht auch nicht.

Blick auf die Überreste von Fort Bowie am Apache Pass
Cochise Stronghold, Fort Bowie und mein „Doubtful Canyon“
Wir queren den Texas Canyon, zur Rechten ragen die Ausläufer der Dragoon Mountains empor. Ihren Namen verdanken sie den Dragonern, die im nahen Fort Huachuca stationiert waren.
„Ja, das Amerind ist ein interessantes Museum“, sagt er. „Aber sie haben auch Artefakte, die sie bei uns ausgegraben haben – ohne unsere Erlaubnis.“
Später erzähle ich von meinem Besuch der Cochise Stronghold inmitten der Dragoon Mountains. Während im Tal die Erde karg und wie verbrannt wirkt und nur widerstandsfähigen Sträuchern und Kakteen ein Gedeihen ermöglicht, fährst du mit dem Auto kaum zehn Minuten hinauf in die Berge, es wird schlagartig kühler, du siehst Wälder und es gibt Quellen und Bäche.

In den Bergen ist es kühler, da gibt es Wälder und Wasser (hier: Chiricahua Mountains)
Kein Wunder, dass die Apachen lieber in den Bergen lebten.
„Ja“, sagt er, „ich kenne diese Gegend gut, das war alles Chiricahua-Land.“
Etwas weiter passieren wir die Chiricahua Mountains und das kleine Dorf Bowie. Die Ortschaft wurde gegründet, als Fort Bowie aufgegeben wurde. Das Fort lag im Herzen der Chiricahua-Berge, am strategisch wichtigen Apache Pass und an einer ergiebigen Quelle, dem Apache Spring.
Rambo – dargestellt von Sylvester Stallone – stammt in der Filmhandlung aus Bowie. Am Ende von „Rambo III“ kehrt er heim und man sieht im Hintergrund die Ausläufer der Chiricahua-Berge. An der Tankstelle an der I‑10 erinnert ein überlebensgroßes Gemälde an ihn: „No Place like Home“.

Rambo-Gemälde an der Tankstelle bei Bowie: No Place Like Home
Wenige Kilometer weiter liegt die kleine Geisterstadt „Steins“.
Ich erzähle von meiner früheren Fahrt zum markanten Steins Peak – und wie ich dabei beinahe nicht mehr aus dem Doubtful Canyon herausgekommen wäre. Ich war mit dem Auto an einer Engstelle zwischen der abfallenden Felsenwand und den Sträuchern stecken geblieben – kein Telefonnetz, beschädigter Wagen, Schreck-Momente.
Ich habe gelesen, dass der Canyon seinen Namen der alten Postkutschenroute verdankt: Es war zweifelhaft, ob man heil durchkam – oder ob einem die Apachen vorher auflauerten.
Der Jüngere lacht. „Ja, das ist eine gefährliche Strecke für Weiße. Du hättest auf den Namen hören sollen.“
Cashews, Cowboy-Outfit und Coffee-to-go
Nach Deming halten wir an einer Raststätte – eher ein riesiger Souvenirladen mit angeschlossenem Minimarkt.
Im vorderen Bereich stapeln sich lokale Produkte, viele davon aus den umliegenden Reservaten: Schmuck, geschnitzte Skulpturen, gewebte Decken, getöpferte Gefäße, geflochtene Körbe und Teller.
Daneben: Kleidung, die aus jedem Europäer einen Cowboy machen könnte. Cowboyhüte, Cowboyjacken, Cowboystiefel (ja, sogar mit Sporen!), Jeans – und das Ganze auch für Cowgirls.
Außerdem: Ponchos — aus Mexiko. Ich muss an die Italo-Western der 1960er-Jahre denken. Vielleicht hat sich Clint Eastwood hier eingedeckt.
Besonders ziehen mich die Stände mit unterschiedlich großen Säcken voller Cashews, Erdnüssen, Paranüssen und Pistazien an – von lokalen Farmen. Ich liebe diese Nüsse und nehme je eine mittelgroße Packung von jeder Sorte.
Ich suche nach Coffee-to-go. Es gibt nur dünnen Filterkaffee – ich verzichte. Im Kühlregal finde ich Starbucks-Kaffee in Dosen, ein Sechserpack, das muss reichen.
Apachen haben’s nicht eilig
Der Jüngere telefoniert mit einem der mexikanischen Freunde. „Wir brauchen noch etwa eine Stunde“, sagt er. Der Anrufer meint nur: „Kein Problem, lasst euch Zeit!“
Ich werfe dem Jüngeren einen Seitenblick zu. Er grinst: „Siehst du? Die haben kein Problem mit Indian Time – es sind ja auch Apachen.“
Meine beiden Begleiter reden über vergangene Zeiten. Wie alles einst Apachenland war. Heute gehören ihnen nur mehr kleine Flecken – meist genau dort, wo die Weißen ohnehin kein Interesse hatten. Sie erzählen Geschichten, die sie von ihren Großeltern gehört haben – vom Leben in Freiheit, in den Bergen.
Bei Las Cruces überqueren wir den Rio Grande.
Der Fluss wirkt hier so gar nicht „grande“, er ist eher ein unbedeutendes Rinnsal. Ich habe gelesen, dass ein Großteil seines Wassers zur Bewässerung abgezweigt wird.
Wir fahren weiter Richtung Süden. Wir passieren Mesilla – einst Hauptstadt von „Nuevo México“, als das Land noch mexikanisch war. Heute ist es ein Stadtteil von Las Cruces. Ich erinnere mich an meinen früheren Besuch: der Hauptplatz, die koloniale Basilika, ausgezeichnete mexikanische Küche.

Mesilla — ehemalige Hauptstadt von Nuevo México
El Paso — der Abschied
Kurz vor El Paso überqueren wir die Grenze nach Texas. „Welcome to Texas – The Lone Star State“, steht auf dem Schild. Der Stern bezieht sich auf die Texas-Flagge: ein weißer Stern im blauen Feld, daneben ein weißer und ein roter Streifen.
El Paso – früher El Paso del Norte genannt, der „Nord-Pass“ – macht seinem Namen alle Ehre: Die Stadt liegt eingezwängt zwischen zwei kahlen Bergen, durch die sich ein natürlicher Durchgang zieht.

Flagge von Texas – The Lone Star State
Als ich die Sonora-Wüste zum ersten Mal gesehen habe, war ich überrascht. Ich hatte mir „Wüste“ immer als trostlose, leere Fläche vorgestellt. So ganz anders ist die Sonora-Wüste: Saguaros und hunderte andere Arten von Kakteen, Yuccas, Sträucher, Mesquite-Bäume – besonders im Frühjahr verwandelt sich die Wüste in ein Farbenmeer.
Doch hier, im äußersten Westen von Texas, ändert sich das Bild. Die Landschaft rund um El Paso wirkt leblos, öde, wie verbrannt. Kein Strauch, kein Kaktus, nur hügelige, staubige Leere – wie eine Mondlandschaft.
Und dann beginnt El Paso – ganz plötzlich, ohne Vororte oder Übergang. Die Stadt liegt uns zu Füßen – und über der Stadt wölbt sich ein Autobahngeflecht.
Die Stadtautobahn schwebt auf mehreren Ebenen über der Stadt. Mehrspurige Fahrbahnen überkreuzen sich, führen zusammen, trennen sich wieder. Acht, zehn, vielleicht sogar zwölf Spuren – in alle Richtungen.
Der Ältere dirigiert mich mit ruhiger Stimme durch das Labyrinth: „Rechts – ja, rechts. Noch mehr rechts. Jetzt links – aber nicht zu viel. Geradeaus… weiter… Achtung, schnell wieder links – und dann rechts… nein, nicht ganz…“
Und schon bin ich auf einer Ausfahrt, auf der ich nicht sein sollte.
Umdrehen? Unmöglich. Die Ausfahrt führt mich unter der Autobahn hindurch auf die andere Seite. Ich finde die nächste Auffahrt – und lande wieder auf der richtigen Spur.
Schließlich erreichen wir den Treffpunkt. Ein Parkplatz mit Blick auf eine Autobahnbrücke.
„Dort drüben ist Mexiko“, sagt der Ältere. „Sie holen uns von dort ab.“
Beide holen ihr Gepäck aus dem Kofferraum. Der Jüngere umarmt mich. Der Ältere gibt mir die Hand – auf Apache-Art. Dann schultern sie ihre Taschen und machen sich auf den Weg.
Mein nächstes Ziel ist das Mescalero-Reservat.
Ich tippe es ins Navi ein und hoffe, dass ich das über El Paso schwebende Labyrinth auf dem Rückweg besser meistere.
Ich öffne eine Dose Starbucks-Kaffee, nehme ein paar kräftige Schlucke, schließe die Autotür – und fahre los.
Weiterführende Links:
Teil 1 der Reise von San Carlos bis nach El Paso:
➪ Reise nach El Paso (Teil 1) — Start mit Hindernissen in San Carlos
Du möchtest wissen, wie die Apachen heute leben? Dann wird dich dieser Artikel interessieren:
➪ Apachen heute
Zur Geschichte der Anfangsjahre der San Carlos Apache Indian Reservation:
➪ San Carlos Apache Reservation – die frühen Jahre 1872 bis 1886